StoReel sammelt 34 Millionen Dollar für KI-generierte Mikrodramen ein

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Das Pekinger Startup StoReel hat insgesamt 34 Millionen Dollar eingesammelt, um seine Plattform für KI-generierte Mikrodramen auszubauen. Die Finanzierung teilt sich in eine Seed-Runde über 9 Millionen Dollar und 25 Millionen Dollar für Nutzerakquise auf.

Das Pekinger Startup StoReel hat insgesamt 34 Millionen Dollar an Finanzierung erhalten, wie Business Insider exklusiv berichtet. Die Mittel teilen sich in eine Seed-Runde über 9 Millionen Dollar, angeführt von Play Ventures, sowie 25 Millionen Dollar an User Acquisition-Finanzierung durch PVX Partners. Bei letzterer erhalten die Investoren keine Unternehmensanteile, sondern eine Umsatzbeteiligung an neu gewonnenen Nutzern. Weitere Geldgeber sind T-Accelerate Capital, Tirta Ventures und The Venture Reality Fund.

StoReel betreibt eine Mikrodrama-App, deren Inhalte vollständig mit KI produziert werden. Co-CEO Angela Yu (zuvor Produktleiterin einer KI-Companionship-App bei Hello Group) erklärte gegenüber Business Insider, Mikrodramen seien „sehr kompatibel mit KI, weil sie hochgradig iterativ, sehr schnell und volumenintensiv sind“. CEO Shipeng Fan leitete zuvor die Mikrodrama-Sparte bei Linmon Pictures, einem börsennotierten chinesischen TV-Studio.

Produktionskosten und Geschäftsmodell

Das zentrale Versprechen von StoReel sind die niedrigen Produktionskosten. Eine Stunde Serieninhalt kostet laut Unternehmensangaben im Pitch Deck zwischen 20.000 und 40.000 Dollar. Konventionelle Mikrodramen mit echten Schauspielern liegen bei 150.000 bis 200.000 Dollar. StoReels hauseigene Plattform Canvas soll Serien dreimal schneller und zu etwa 15 Prozent der Live-Action-Kosten produzieren.

Die App finanziert sich über Abonnements. Nach den ersten kostenlosen Episoden werden 29,99 Dollar pro Woche oder 239,99 Dollar im Jahr fällig. Creators erhalten Mindestgarantien oder eine Umsatzbeteiligung von rund 50 Prozent. Aktuell umfasst der Katalog 59 Serien, mit Fokus auf LGBTQ+, Science-Fiction und Fantasy, Genres, die auf den großen Mikrodrama-Apps wie ReelShort oder DramaBox weniger vertreten sind.

Phylicia Koh (General Partner bei Play Ventures) betonte laut Business Insider, das Modell „reduziere die Kosten des Scheiterns“. Koh verwies darauf, dass Zuschauer oft über die immer gleichen Tropes klagten, das Risiko neuer Genres bisher aber zu hoch gewesen sei.

Marktdaten aus dem Pitch Deck

StoReels Pitch Deck enthält eigene Marktschätzungen, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen. Demnach lag der chinesische Mikrodrama-Markt laut StoReel 2024 bei 6,9 Milliarden Dollar und erreichte 2025 rund 11 Milliarden Dollar, mehr als Chinas gesamter Kinomarkt. Global ohne China beziffert das Pitch Deck den Markt auf 4,6 Milliarden Dollar (2025). In China schauen laut diesen Angaben über 60 Prozent der mobilen Internetnutzer Mikrodramen. Außerhalb Chinas liegt die Penetrationsrate bei unter 10 Prozent. Zum Vergleich schätzte Variety auf Basis von MPA-Daten den globalen Mikrodrama-Umsatz deutlich konservativer ein, was nahelegt, dass StoReels Zahlen das obere Ende der Prognosen abbilden dürften.

StoReel ist nicht das erste Unternehmen, das auf KI-produzierte Mikrodramen setzt. Holywater, unterstützt von Fox Entertainment, hatte 2025 mit My Muse einen KI-Generator für Serien und Hörbücher gestartet. In Südkorea verfolgt das Startup Vigloo einen ähnlichen Ansatz. Ob vollständig KI-generierte Inhalte langfristig mit Live-Action-Produktionen um die Gunst der Zuschauer konkurrieren können, bleibt eine offene Frage. Bisherige Erfahrungen mit KI-generierten Videos zeigen, dass die Akzeptanz beim Publikum stark von der visuellen Qualität abhängt.