Liebesromane als Kurzserien: KI-Experiment mit 40 Titeln gestartet

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Romanverlag Harlequin und das KI-Entertainment-Unternehmen Dashverse haben einen mehrjährigen Vertrag über 40 animierte Mikrodrama-Adaptionen geschlossen. Die erste Serie startet im April auf DashReels und weiteren Plattformen.

Der Romanverlag Harlequin und das KI-Entertainment-Unternehmen Dashverse haben einen mehrjährigen Vertrag über die Koproduktion von 40 animierten Mikrodramen geschlossen. Die Serien basieren auf Titeln aus dem Harlequin-Romance-Katalog und werden auf Englisch über globale Mikrodrama-Plattformen vertrieben, darunter Dashverses eigene App DashReels.

Die erste Adaption, A Fairy-Tail Ending von Catherine Mann, soll noch im April erscheinen. Für Mai sind laut der Pressemitteilung bereits fünf weitere Titel geplant, darunter Forbidden Fiji Nights with Her Rival von JC Harroway, Newlywed Enemies von Jackie Ashenden und The King's Pregnancy Proposition von LaQuette.

KI-gestützte Produktion mit Frameo

Die Serien werden von einem Team aus Illustratoren entwickelt, unterstützt durch Dashverses hauseigene Produktionsplattform Frameo. Das System ist laut Unternehmensangaben darauf ausgelegt, serialisierte Videos in großem Umfang zu erstellen und damit die Produktionskosten gegenüber klassischer Filmproduktion deutlich zu senken. Dashverse positioniert sich als „AI-native Entertainment Company“, die Infrastruktur für eine neue Generation des Erzählens aufbaut.

Dashverse-CEO Sanidhya Narain erklärte gegenüber Adgully, man wolle „globale Entertainment-Franchises aus bestehendem geistigen Eigentum aufbauen, angetrieben durch KI“. Harlequin-Publisher Brent Lewis bezeichnete die Partnerschaft als „eine Gelegenheit, diese geschätzten Geschichten für ein neues Publikum neu zu interpretieren“.

Harlequin, eine Tochter von HarperCollins, hat seit 1949 nach eigenen Angaben 6,7 Milliarden Bücher verkauft und veröffentlicht monatlich mehr als 100 Titel in Print und Digital. 65 Prozent der Romance-Leser denken laut dem Unternehmen zuerst an Harlequin, wenn sie an Liebesromane denken. Die Marke bringt damit eine etablierte Fanbasis mit, die für Mikrodrama-Adaptionen potenziell empfänglich sein könnte.

Animiert statt real gedreht

Der Deal setzt bewusst auf Animation statt auf klassische Live-Action-Produktion. Das unterscheidet das Projekt von den meisten Mikrodrama-Serien auf Plattformen wie ReelShort oder DramaBox, die überwiegend mit realen Darstellern arbeiten. Animierte Mikrodramen sind bislang ein Nischenformat. Ob sie bei einem Publikum, das an real gedrehte Kurzserien gewöhnt ist, auf vergleichbare Akzeptanz stoßen, bleibt abzuwarten. Obwohl man ja schon an 200 Mio. Views für KI-Obst gesehen, dass das zum Erfolg werden kann.

Für Harlequin ist der Schritt in die Mikrodrama-Welt ein weiterer Versuch, die eigene Bibliothek in neue Medienformate zu überführen. Der Verlag hat in der Vergangenheit bereits mit Hörbüchern und TV-Adaptionen experimentiert.

Ob sich das Modell der KI-gestützten Romanadaption im wachsenden, aber zunehmend umkämpften Mikrodrama-Markt durchsetzen kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie Zuschauer die Qualität der animierten Umsetzung bewerten. Mit 40 geplanten Titeln ist das finanzielle Risiko für beide Seiten überschaubar, der Test aber aussagekräftig genug, um das Format zu validieren.