Mei Ah Entertainment stellt KI-generierte Kurzdramen auf der FilMart vor

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Hongkongs Traditionsunternehmen Mei Ah Entertainment nutzt die FilMart 2026, um eine Reihe KI-gestützter Kurzdramen vorzustellen. Das Studio will klassische Filmrechte mit generativer Technologie für ein modernes Publikum neu interpretieren.

Das Hongkonger Medienunternehmen Mei Ah Entertainment hat auf der diesjährigen FilMart eine Serie von Kurzdramen vorgestellt, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz produziert wurden. Das 42 Jahre alte Studio, das einst als VHS-Vertrieb in der Blütezeit des Hongkonger Kinos begann, positioniert sich damit als einer der ersten etablierten Branchenakteure im KI-gestützten Mikrodrama-Segment.

Klassische Filmrechte im neuen Format

Der Kern der Initiative liegt in der Neuinterpretation von Mei Ahs umfangreichem Katalog klassischer Filmrechte. Das Studio hatte in den vergangenen Jahren bereits mit Kurzformaten experimentiert und dabei mit Douyin, der chinesischen Version von TikTok, zusammengearbeitet, um bekannte Filme in kurze Dramen umzuwandeln. Nun geht das Unternehmen laut Variety-Bericht zur FilMart einen Schritt weiter und setzt auf eigene Produktionsteams sowie proprietäre Werkzeuge.

Das Besondere an dem Ansatz ist die simultane Arbeitsweise. Vorproduktion, Dreh und Postproduktion können parallel ablaufen, was den kreativen Teams erlaubt, Ästhetik und Handlungselemente in Echtzeit zu verfeinern. Das Studio betont, dass KI die menschliche Kreativität nicht ersetzen, sondern erweitern soll. Ideen, die bisher zu teuer oder zu komplex für eine Umsetzung waren, sollen so realisierbar werden.

Von Martial-Arts bis Ming-Dynastie

Die vorgestellten Projekte decken ein breites Genre-Spektrum ab. Horror-Titel nutzen generative Werkzeuge für aufwendiges Design und atmosphärische Effekte. Historische Epen lassen Soldaten der Ming-Dynastie gegen fantastische Monster antreten, mit Spezialeffekten, die in traditioneller Produktion kaum finanzierbar wären.

Regisseur Lau Ho Leung experimentiert in seinem KI-Kurzfilm Kung Fu and Never Die mit einer Mischung aus chinesischer Kampfkunst und Militärpanzern. „Ich fand KI super attraktiv und habe mich gefragt, wie wir damit umgehen sollten und welche Geschichten wir erzählen könnten“, erklärte er gegenüber Variety. Die Kombination von historischen und modernen Elementen zeigt, wie weit das Format von den typischen Romanzen und Rache-Plots des Mikrodrama-Marktes entfernt sein kann.

Eigene Produktionsplattform als Fundament

Das technische Rückgrat der Initiative bildet eine hauseigene, kollaborative Produktionsplattform. Wayne Tam, Direktor der Plattform, beschrieb den Ansatz. „Vom Storyboard über das Charakterdesign bis zur Previsualisierung können wir unsere eigene Filmerfahrung nutzen und in das System einbetten.“ Die Plattform bündelt also jahrzehntelange Branchenerfahrung mit neuen technologischen Möglichkeiten.

Falls das Experiment gelingt, könnte es einen Weg aufzeigen, wie etablierte Filmstudios ihre Archive für das Mikrodrama-Format nutzen können. Statt komplett neue Stoffe zu entwickeln, werden bewährte Geschichten in ein zeitgemäßes Vertikalformat überführt. Tam zeigte sich optimistisch. „Wenn man offen für KI ist, wird das gut für die Branche sein.“

Für den Mikrodrama-Markt ist Mei Ahs Vorstoß aus mehreren Gründen relevant. Er zeigt, dass auch traditionelle Medienunternehmen aus Asien das Format ernst nehmen und nicht nur Start-ups den Markt treiben. Die Kombination aus KI-Produktion und bestehenden Filmrechten könnte die Produktionskosten so weit senken, dass auch experimentellere Genres im Kurzformat wirtschaftlich tragbar werden. Gerade in einem Markt, der stark von Romanzen und Rache-Geschichten dominiert wird, wäre eine größere Vielfalt bei Genres und Erzählstilen ein willkommenes Signal. Die Präsentation auf der FilMart, einer der wichtigsten Filmmessen Asiens, unterstreicht zudem, dass Mikrodramen zunehmend auf Augenhöhe mit klassischen Film- und TV-Formaten wahrgenommen werden.

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