Studie zeigt: Frauen ab 35 treiben das Mikrodrama-Wachstum auf YouTube

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Eine neue Studie von Digital i, vorgestellt bei der Series Mania 2026, belegt erstmals mit Zahlen, was viele in der Branche vermuteten. Frauen ab 35 Jahren sind die aktivste Zielgruppe für Mikrodramen auf YouTube. Männer aller Altersgruppen schauen dagegen unterdurchschnittlich.

Wer schaut eigentlich Mikrodramen auf YouTube? Eine neue Analyse des britischen Marktforschungsunternehmens Digital i liefert erstmals belastbare Zahlen. Das Ergebnis, vorgestellt von Medienberaterin Beatrice Rossmanith beim Series Mania Forum in Lille, ist eindeutig. Frauen ab 35 Jahren konsumieren Mikrodrama-Inhalte auf YouTube weit überproportional, während Männer in sämtlichen Altersgruppen deutlich unterrepräsentiert sind.

Für die Studie hat Digital i die demografischen Nutzungsdaten der offiziellen YouTube-Kanäle von fünf führenden Mikrodrama-Apps ausgewertet. Analysiert wurden die Kanäle von DramaBox, ReelShort, FlickReels, MyDrama und CandyJar über das gesamte Jahr 2025 hinweg. Die Daten stammen aus 20 Ländern, darunter Deutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich, Japan, Südkorea und Australien.

Frauen schauen doppelt so viel wie der Durchschnitt

Die Zahlen sind deutlich. Frauen im Alter von 35 bis 44 Jahren machten laut der Studie 11,5 Prozent aller YouTube-Streams in den 20 untersuchten Märkten aus. Auf den fünf Mikrodrama-Kanälen lag ihr Anteil jedoch bei 20,8 Prozent, also fast doppelt so hoch. Noch stärker fiel der Unterschied in der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen aus. Dort entfielen 15,7 Prozent der Streams auf Frauen, obwohl ihr Anteil an der gesamten YouTube-Nutzung nur bei 7,7 Prozent lag.

Bei männlichen Nutzern zeigte sich das umgekehrte Bild. Männer zwischen 18 und 24 Jahren stellten zwar 13,7 Prozent der gesamten YouTube-Aktivität, kamen auf den Mikrodrama-Kanälen aber nur auf 6 Prozent. Diese Unterrepräsentation zog sich laut Digital i durch alle männlichen Altersgruppen.

Mikrodrama-Fans nutzen YouTube intensiver

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft das allgemeine Nutzungsverhalten. Zuschauer, die Mikrodrama-Inhalte auf YouTube konsumierten, waren insgesamt deutlich aktiver auf der Plattform. Ein durchschnittlicher YouTube-Nutzer schaute 2025 pro Tag 10,9 reguläre Videos und 14,7 Shorts. Nutzer der fünf untersuchten Mikrodrama-Kanäle kamen im selben Zeitraum auf 13,8 reguläre Videos und 21,5 Shorts pro Tag.

Das Mikrodrama-Publikum schaut also nicht nur mehr vertikale Kurzserien, sondern bewegt sich insgesamt intensiver auf YouTube. Für die Plattform selbst ist das ein wichtiges Signal, denn diese Nutzergruppe verbringt mehr Zeit auf YouTube als der Durchschnitt.

Was die Zahlen für den Markt bedeuten

Digital-i-Analyst Sam Vahdati ordnete die Ergebnisse gegenüber Advanced Television ein. „Unsere jüngste Forschung liefert einen wichtigen Einblick, wie bestimmte Demografien zu ultra-kurzem geskriptetem Content migrieren“, sagte Vahdati. Die Tatsache, dass Frauen über 35 nicht nur überproportional Mikrodrama-Kanäle nutzten, sondern diese Zuschauer auch insgesamt aktiver auf YouTube seien, zeige „die Kraft dieser Inhalte als Engagement-Treiber für die gesamte Plattform“.

Die Studie liefert damit ein Argument, das über den Mikrodrama-Markt hinausreicht. YouTube profitiert von Mikrodrama-Inhalten, weil deren Publikum die Plattformnutzung insgesamt nach oben treibt. Für Mikrodrama-Anbieter wiederum bestätigen die Daten, dass YouTube als Marketingkanal und Reichweitenquelle für eine kaufkräftige, weibliche Zielgruppe funktioniert. Dass ausgerechnet Frauen ab 35 so stark überrepräsentiert sind, deckt sich mit den Monetarisierungsdaten der Plattformen, die ebenfalls Frauen ab 35 als zahlungsstärkste Zielgruppe identifizieren. Die CEO-Romanzen und Rachedramen, die das Genre dominieren, sprechen genau diese Zielgruppe an. Ob die Apps ihr Angebot langfristig diversifizieren müssen, um auch jüngere oder männliche Zuschauer zu gewinnen, bleibt eine offene Frage.