LAVDM in Hollywood: Wie ein neues Branchentreffen den Mikrodrama-Markt professionalisieren will
Der LA Vertical Drama Market geht im Mai 2026 in die zweite Runde. Gründerin Dana Protsyshak will aus dem Branchentreffen in Hollywood eine Art Cannes Film Market für Vertikaldramen machen. Mit Labs, Pitch-Wettbewerben und einer eigenen Preisverleihung soll die junge Branche Struktur bekommen.
Der Mikrodrama-Markt wächst rasant, doch eine professionelle Brancheninfrastruktur fehlt weitgehend. In Hollywood will der LA Vertical Drama Market (LAVDM) diese Lücke füllen. Vom 7. bis 10. Mai 2026 findet die zweite Ausgabe des Branchentreffens statt, das Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren und Plattformbetreiber zusammenbringen soll. Die Gründerin Dana Protsyshak, Regisseurin und Produzentin vom Mikrodramen, formuliert den Anspruch klar. Der LAVDM soll werden, was der Cannes Film Market für den klassischen Film ist.
Ein Markt ohne Infrastruktur
Das vertikale Serienformat hat sich in den vergangenen zwei Jahren von einem chinesischen Nischenprodukt zu einem globalen Phänomen entwickelt. Branchenprognosen gehen von einem Marktvolumen zwischen 8 und 10 Milliarden Dollar für 2026 aus. Produziert wird inzwischen auf allen Kontinenten, von den USA über Europa und Indien bis nach Afrika.
Etablierte Produktionsfirmen drehen drei bis vier Vertikalserien pro Monat. Große Studios sind ebenfalls eingestiegen, wie der 200-Millionen-Dollar-Deal zwischen Fox und MyDrama-Muttergesellschaft Holywater im vergangenen Jahr zeigte.
Trotz dieses Wachstums gab es bislang kein zentrales Branchentreffen, keine standardisierten Pitch-Formate und keine eigene Preisverleihung. Genau hier setzt der LAVDM an. Die erste Edition im vergangenen Jahr hatte vor allem einen edukativen Charakter und stellte das Vertikalformat einem breiteren Hollywood-Publikum vor. Der aktuelle Treff soll nun den Schritt vom Bildungsforum zum Handelsplatz vollziehen.
Labs, Panels und ein vertikaler Oscar
Das Programm umfasst acht sogenannte Vertical Labs. Diese Workshops vermitteln praktische Fähigkeiten für die Arbeit im vertikalen Format, vom Drehbuchschreiben über Regie bis hin zu KI-Anwendungen. Ergänzt werden die Labs durch Panel-Diskussionen über den aktuellen Stand und die Zukunft des Marktes sowie informellere Talks, in denen erfahrene Vertikaldrama-Macher ihre persönlichen Erfahrungen teilen.
Für Kreative mit eigenen Projekten gibt es den VertIGo Pitch Competition. Finalisten können ihre Stoffe direkt vor Vorantwortlichen präsentieren. Tägliche Networking-Events und VIP-Brunches runden das Programm ab.
Ein besonderer Programmpunkt sind die Apollo Awards. Diese Preisverleihung der International Academy of Vertical Arts, mitgegründet von Protsyshak zusammen mit Elyes Baccar und Roberta Sparta, soll die erste reguläre Auszeichnung für Vertikaldramen werden. Die Idee dahinter ist simpel. Wenn die Branche eigene Preise vergibt, gewinnt sie an Legitimität und Sichtbarkeit.
Warum Hollywood das Vertikalformat braucht
Der Zeitpunkt für ein solches Branchentreffen ist nicht zufällig gewählt. Die klassische Film- und Fernsehproduktion in Los Angeles steckt in einer Krise. Steigende Produktionskosten, teure Drehgenehmigungen und der Wettbewerb mit steuerlich attraktiveren Standorten in anderen US-Bundesstaaten und im Ausland haben dazu geführt, dass weniger Projekte in LA produziert werden. Für arbeitsuchende Crews und Schauspieler bieten Vertikalproduktionen eine Alternative.
Die Produktionsrealität unterscheidet sich allerdings grundlegend vom klassischen Filmdreh. Vertikalserien werden typischerweise in sechs bis neun Tagen abgedreht, wobei zehn bis fünfzehn Skriptseiten pro Tag entstehen. Produktionsassistenten gibt es oft nicht, Crewmitglieder springen als Statisten ein. Protsyshak betont, dass die Unterschiede über das Budget hinausgehen. Die gesamte Episodenstruktur dreht sich um Cliffhanger, die Lichtsetzung orientiert sich eher an Pinterest als an klassischer Kinematografie, und die Bildkomposition konzentriert sich auf Nahaufnahmen und vorwiegend statische Einstellungen.
Parallel dazu arbeitet Produzent Jay Blumenfield (The Jay & Tony Show Productions) daran, Kaliforniens Steuervergünstigungsprogramm für Filmproduktionen auf vertikale Inhalte auszuweiten. Sollten diese Regelungen umgesetzt werden, könnten sie die Mikrodrama-Produktion in Los Angeles langfristig stärken.
Akademische Anerkennung und internationales Wachstum
Ein weiteres Zeichen für die Reifung der Branche ist die akademische Aufmerksamkeit. Universitäten wie CalTech und UCLA haben begonnen, Kurse zum Thema Vertikalformat in ihre Programme aufzunehmen. Das gibt dem Format zusätzliche Glaubwürdigkeit und könnte langfristig für besser ausgebildete Fachkräfte sorgen.
International verlagern sich die Produktionsstandorte. Die Türkei entwickelt sich zu einem Hub für Vertikaldramen und fliegt Regisseure und Schauspieler aus LA und Großbritannien ein. Kanada bleibt ein etablierter Ausweichstandort. Innerhalb der USA expandieren einige Plattformen in Bundesstaaten wie Georgia, Texas, Kansas und Ohio, die mit niedrigeren Kosten und Steuervorteilen locken.
Der LAVDM positioniert sich in diesem Umfeld als zentraler Knotenpunkt für eine Branche, die bislang vor allem über informelle Netzwerke funktioniert. Ob der Schritt vom Bildungsforum zum Handelsplatz gelingt, wird sich im Mai zeigen. Die Tatsache, dass das Event bereits halbjährlich stattfinden soll, zeigt, wie schnell sich die Organisatoren die Entwicklung des Marktes vorstellen.