Soap-Veteran Kevin O'Sullivan über den Wechsel zum Mikrodrama. „Seifenopern auf Steroiden“

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Schauspieler Kevin O'Sullivan hat Jahrzehnte in Soaps wie Days of Our Lives und Beverly Hills, 90210 verbracht. Jetzt dreht er vertikale Mikrodramen und erklärt im Podcast-Interview, warum das Format mehr von Schauspielern verlangt als traditionelles Fernsehen.

Kevin O'Sullivan kennt das Tempo schneller Drehs. Der US-Schauspieler, bekannt aus Daytime-Serien wie Days of Our Lives und Beverly Hills, 90210, hat über Jahrzehnte hinweg gelernt, unter Druck zu liefern. In einem Podcast-Interview mit TV Cave spricht er nun über seinen Wechsel ins Vertical Video-Format und erklärt, warum vertikale Mikrodramen für ihn die logische Weiterentwicklung der Soap-Tradition sind.

O'Sullivan arbeitet aktuell an mehreren vertikalen Projekten und hat den Spielfilm Choleric in der Postproduktion, in dem er eine Schurkenrolle übernimmt. Statt klassische Hauptrollen zu verfolgen, hat er sich auf antagonistische Figuren spezialisiert, die „für Ärger sorgen“ und am Ende ihre „gerechte Strafe“ bekommen, wie er selbst formuliert.

Warum Soap-Erfahrung im Mikrodrama Gold wert ist

Seine Jahre im Daytime-TV sieht O'Sullivan als optimale Vorbereitung für das Mikrodrama-Format. In Soap-Produktionen mussten Schauspieler schnell arbeiten, präzise spielen und unter enormem Zeitdruck abliefern. Genau diese Fähigkeiten seien im vertikalen Serienformat gefragt, wo Drehteams laut O'Sullivan regelmäßig 15 bis 20 Seiten Drehbuch pro Tag abfilmen.

Die Probenzeit fällt dabei minimal aus. Wer am Set erscheint, muss vorbereitet sein und sofort performen können. O'Sullivan vergleicht das Format mit „Seifenopern auf Steroiden“, eine Beschreibung, die er mit sichtlichem Vergnügen abgibt. Der Produktionszyklus verläuft deutlich komprimierter als bei klassischem Film und Fernsehen. Vom Dreh bis zur Veröffentlichung vergehen manchmal nur wenige Monate.

Vertikale Serien als neue Karrierechance

O'Sullivan ordnet das Mikrodrama-Format in eine breitere Entwicklung ein. Er verweist auf Michael B. Jordan (Creed, Black Panther), der seine Karriere in der Daytime-Soap All My Children begann und von dort zum Filmstar aufstieg. Auch Eric Estrada und das Telenovela-Format nennt er als Beispiele dafür, wie serialisiertes Erzählen in verschiedenen Formaten immer wieder neue Karrierewege eröffnet hat.

Die wachsende Verbreitung vertikaler Serien über Plattformen wie ReelShort und DramaBox sieht er nicht als Konkurrenz zum traditionellen Fernsehen, sondern als zusätzliche Arbeitsmöglichkeit. Seine Haltung ist pragmatisch formuliert. Wer arbeitet und kreativ bleibt, für den seien Auszeichnungen und Prestige ein willkommener Bonus, aber nicht das eigentliche Ziel.

Ein Format, das Handwerk verlangt

O'Sullivans Perspektive ist für die Mikrodrama-Branche relevant, weil sie eine Brücke schlägt zwischen dem etablierten TV-Handwerk und dem neuen Vertikalformat. Während Kritiker das Format oft als oberflächlich abtun, betont der Veteran, dass die Anforderungen an Schauspieler sogar höher liegen als in vielen traditionellen Produktionen. Die kurzen Episoden, das hohe Drehtempo und die fehlende Probenzeit verlangen konzentriertes Können.

Sein Einstieg ins Mikrodrama zeigt einen Trend, der sich in den vergangenen Monaten verstärkt hat. Immer mehr erfahrene Film- und TV-Schauspieler wechseln ins vertikale Serienformat. Ob das langfristig auch das Prestige des Formats verändert, bleibt abzuwarten. Für O'Sullivan selbst ist die Antwort klar genug. Er dreht weiter, Schurkenrollen inklusive.

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