Markt & Deals: Lifetime, A+E Global und Google entdecken Mikrodrama
KW 11 bringt eine Welle etablierter US-Medienhäuser ins Mikrodrama-Format: Lifetime, A+E Global und das Google-Joint-Venture 100 Zeros kündigen erste Projekte an. Dazu eine afrikanisch-amerikanische Koproduktion, eine neue Streaming-Plattform und eine Turnkey-Lösung für Plattform-Gründer.
Etablierte Sender wagen den Schritt
Die Woche stellt eine Art Schwellenmeldung dar. Gleich drei US-Medienhäuser, die bisher mit Mikrodrama nichts zu tun hatten, haben in KW 11 konkrete Pläne vorgelegt.
Am deutlichsten ist der Schritt bei Lifetime. Der Kabelsender, der seit Jahrzehnten auf Romantic-Thrillers und True-Crime-Stoffe setzt, startet eine erste vertikale Miniserie mit dem Titel Tides of Temptation. Produzent ist Taye Diggs (bekannt aus How Stella Got Her Groove Back und der Serie Private Practice), der damit gleichzeitig ins Mikrodrama-Geschäft einsteigt.
Parallel dazu hat A+E Global seinen Programmplan für 2026/27 vorgestellt und darin erstmals Mikrodrama aufgenommen. Das Unternehmen baut eine eigene Creator-Sparte auf und will den Schritt schrittweise angehen. Konkrete Projekttitel wurden noch nicht genannt.
Google und Range Media: Ein Slate mit Gewicht
Das ambitionierteste Vorhaben der Woche kommt vom Joint Venture 100 Zeros, das Google gemeinsam mit der Talentagentur Range Media Partners betreibt. Die Zusammenarbeit mündet in einem ersten Mikrodrama-Slate mit Namen, die im US-Mainstream bekannt sind. Mike Fleiss, der Erfinder von The Bachelor, ist ebenso dabei wie Regisseur McG (Terminator 3, Chuck) und Simon Fuller, der Schöpfer von American Idol und Manager der Spice Girls.
Der Vertrieb soll über Google TV auf Android-Geräten laufen, was 100 Zeros direkten Zugang zu einer der größten mobilen Nutzergruppen weltweit verschafft. Das ist strukturell ein anderer Ansatz als der der App-Plattformen wie ReelShort oder DramaBox. Nicht eine eigene App steht im Mittelpunkt, sondern die Einbindung in ein bereits existierendes Ökosystem.
Internationale Deals und neue Plattformen
Abseits der Sender-News laufen im Hintergrund zwei weitere Entwicklungen.
Die erste bekannte Koproduktion zwischen Afrika und den USA haben das südafrikanische Unternehmen Both Worlds und das US-Studio Freeli Films angekündigt. Auch hier taucht Taye Diggs auf, diesmal als Schauspieler. Dass Diggs in einer Woche für zwei separate Mikrodrama-Projekte genannt wird, dürfte kein Zufall sein, sondern zeigt, dass das Format für bekannte Namen zunehmend attraktiv wird.
Ebenfalls Ende März geht muVpix an den Start. Die neue Streaming-Plattform von BlackForge Distribution hat sich vorab die globalen Rechte an Tides of Desire gesichert, einer 50-teiligen Vertikalserie. Das ist ein ungewöhnlich klarer Pre-Launch-Deal, der zeigen soll, dass muVpix mit einer vollständigen Serie startet statt mit Lizenzlücken.
Turnkey als Marktzeichen
Einen eigenen Blickwinkel auf die Woche liefert das Produkt, das die COL Group gemeinsam mit BeLive auf der FilMart in Hongkong vorgestellt hat. „Microdrama in a Box“ nennt sich die Turnkey-Lösung, die es Unternehmen ermöglichen soll, innerhalb von 30 Tagen eine eigene Mikrodrama-Plattform zu starten. Technik, Lizenzrechte und Content-Integration sollen im Paket kommen.
Solche Angebote entstehen nicht im Vakuum. Sie setzen voraus, dass die Nachfrage nach eigenständigen Mikrodrama-Plattformen groß genug ist, um ein standardisiertes Produkt dafür zu rechtfertigen. Die Meldungen dieser Woche geben der These recht. Wer jetzt noch kein Mikrodrama-Angebot hat, plant gerade eines.