Disney+ führt vertikalen Video-Feed "Verts" in den USA ein

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Disney+ startet in den USA seinen vertikalen Video-Feed Verts. Nutzer können durch Szenen aus Filmen und Serien scrollen, ähnlich wie bei TikTok oder Instagram Reels. Der Schritt zeigt, wie ernst die großen Streamingdienste die Konkurrenz durch Kurzvideo-Formate nehmen.

Große Streamingdienste haben das vertikale Video lange als Nischenphänomen abgetan. Das ändert sich gerade spürbar. Disney+ führt diese Woche in den USA seinen neuen vertikalen Video-Feed ein, der auf den Namen Verts hört. Das Feature erscheint als eigenes Icon in der mobilen App und ermöglicht es Nutzern, durch einen kuratierten Strom von Szenen aus Filmen und Serien zu scrollen, die auf der Plattform verfügbar sind.

Wer auf einen Clip trifft, der gefällt, kann den dazugehörigen Titel direkt auf die Watchlist setzen oder die Wiedergabe sofort starten. Welche Clips angezeigt werden, bestimmt Disneys relativ neuer Empfehlungsalgorithmus.

Aus dem Test in die Breite

Verts ist kein vollständig neues Experiment. Das Feature wurde bereits intern auf Disney+ erprobt und war Teil des Launches des ESPN-Streamingdienstes im August 2025. In beiden Fällen steigerte Verts das Engagement auf der jeweiligen Plattform messbar, wie The Wrap berichtet.

Die erste öffentliche Ankündigung von Verts für Disney+ erfolgte im Januar 2026 beim Disney's 2026 Global Tech & Data Showcase. Vorerst spielt der Feed ausschließlich Clips aus bestehenden Inhalten. Langfristig plant Disney, den Kanal für weitere Storytelling-Formate, neue Inhaltstypen und personalisierte Erlebnisse zu öffnen. Was damit genau gemeint ist, ließ das Unternehmen offen.

Die großen Streamingdienste folgen dem Vertikal-Trend

Disney steht mit dieser Strategie nicht allein. Netflix hat bereits im März 2025 einen vertikalen Video-Feed in die mobile Startseite seiner App integriert. Peacock nutzt eigene Vertikal-Experimente als Werkzeug zur Engagement-Steigerung. Und Fox One, das ebenfalls im August 2025 gestartet ist, brachte einen vertikalen Feed gleich zum Launch mit.

Fox geht dabei besonders aggressiv vor. Im Oktober 2025 investierte der Konzern in Holywater, das Unternehmen hinter der Mikrodrama-Plattform MyDrama. Das zeigt, dass es bei diesen Bewegungen nicht nur um eine neue UI-Funktion geht, sondern um eine strategische Neuausrichtung hin zu vertikal konsumierten Inhalten.

Plattformen wie TikTok, Instagram Reels, YouTube Shorts und spezialisierte Mikrodrama-Apps wie ReelShort oder DramaBox ziehen immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Der Trend zum vertikalen Konsum ist unübersehbar. Die großen Streamingdienste reagieren darauf, indem sie ähnliche Mechaniken in ihre eigenen Apps einbauen.

Was das für Mikrodramen bedeutet

Für die Mikrodrama-Branche ist der Schritt von Disney bemerkenswert. Er bestätigt, dass das vertikale Format und die damit verbundenen Sehmuster inzwischen von der gesamten Unterhaltungsindustrie ernst genommen werden. Wenn einer der größten Streaming-Konzerne der Welt sein Interface an das Scrollen und Wischen gewöhnt, dürften damit auch Erwartungen bei Nutzern wachsen, überall kurze, hochwertige vertikale Inhalte zu finden.

Verts ist zunächst auf die USA beschränkt. Ob und wann ein Rollout in weiteren Märkten folgt, hat Disney bislang nicht kommuniziert.