Google, Disney und Peacock: Big Tech und Streaming-Konzerne starten systematisch ins Vertikaldrama

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In der Woche vom 9. bis 15. März 2026 zogen mehrere Großkonzerne nahezu gleichzeitig ins Vertikaldrama-Segment. Google, Disney+ und Peacock starteten eigenständige Initiativen, während der KI-Einsatz in der Produktion von der Ausnahme zur Strategie wurde.

In der Woche vom 9. bis 15. März 2026 vollzog sich eine auffällige Verschiebung im Mikrodrama-Markt. Nicht eine Plattform, sondern drei Großkonzerne traten nahezu gleichzeitig mit eigenständigen Vertikaldrama-Initiativen an die Öffentlichkeit. Der Schritt von Big Tech und etablierten Streaming-Anbietern in das Segment markiert eine neue Marktphase, in der vertikales Storytelling nicht mehr als Nischenformat gilt.

Google, Disney und Peacock mit jeweils eigener Strategie

Google betrat das Mikrodrama-Segment über seine Content-Partnerschaft „100 Zeros“, die gemeinsam mit Range Media Partners entwickelt wird. Veteran-Produzenten aus dem klassischen US-Fernsehen, darunter die Macher von The Bachelor und American Idol, sind an frühen Entwicklungsprojekten beteiligt. Serien sollen über die Google TV App vertrieben werden. Anders als spezialisierte Mikrodrama-Apps setzt das Modell auf Hollywood-Packaging-Netzwerke, Talentagenturen und Plattformvertrieb als gemeinsames System, wie unser Bericht zur 100 Zeros Initiative beschreibt.

Disney+ rollte in den USA zeitgleich die neue Funktion Verts aus, einen swipebaren vertikalen Video-Feed innerhalb der mobilen App. Die Funktion präsentiert Kurzclips aus dem bestehenden Disney-Katalog und soll als Discovery-Schicht für den Weg in Langforminhalte dienen. Unternehmensvertreter deuteten an, dass Verts künftig eigenständige Storytelling-Formate und personalisierte Inhalte unterstützen könnte. Details dazu finden sich in unserem Artikel zu Disney+ Verts.

NBCUniversals Vertical Video-Angebot Peacock weitete seine vertikale Feed-Funktion aus und positionierte sie prominenter in der mobilen Oberfläche. Gleichzeitig startete der Dienst Tests mit vertikal zugeschnittenen NBA-Livestreams und führte mit „Your Bravoverse“ eine KI-gestützte Personalisierungsfunktion ein, die kurzformatige Empfehlungen auf Basis von Nutzungsverhalten und Fan-Affinität ausspielt.

KI-Produktion als strategische Größe

Parallel zu den Plattformbewegungen kündigte Vigloo an, rund 30 Prozent seines jährlichen Content-Slates über KI-gestützte Workflows zu produzieren. Grundlage ist die achtwöchige Produktion von Bloodbound Luna, einer 22-teiligen englischsprachigen Serie, die ein Team von weniger als zehn Personen realisierte. Wenn KI-Pipelines verlässlich vertikale Serien liefern können, verschiebt sich der Wettbewerbsvorteil im Segment weg von kreativer Differenzierung hin zu Produktionsgeschwindigkeit und Kosteneffizienz.

Auch aus China wurden in dieser Woche Signale in dieselbe Richtung gesendet. Politische Diskussionen im Umfeld der nationalen Sitzungsperiode knüpften Mikrodrama-Exportförderung an höhere Qualitätsstandards und stärkere internationale Strahlkraft. Lokale Produktionsforen verbanden die Anforderungen explizit mit KI-Werkzeugen und regionalen Kreativwirtschaftsprogrammen.

Einordnung

Die gleichzeitigen Eintritte deuten darauf hin, dass das Vertikaldrama-Segment eine Schwelle überschritten hat. Während der Markt bislang von spezialisierten Apps dominiert wurde, integrieren nun Streaming-Plattformen das Format als feste Produktarchitektur. Das verändert die Wettbewerbssituation für bestehende Anbieter wie ReelShort oder DramaBox grundlegend, auch wenn offen bleibt, ob Verts oder vergleichbare Features als eigenständige Formate oder nur als Navigationswerkzeuge funktionieren werden.

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