True-Crime-Klassiker Forensic Files wird zur Handy-Serie

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Die True-Crime-Kultserie Forensic Files kommt ins Vertikalformat. GammaTime hat sich die Rechte an 15 ausgewählten Episoden gesichert und will sie als mobile-first Kurzserien anbieten. Es ist die erste Lizenzierung einer etablierten TV-Marke für eine Mikrodrama-Plattform.

Die True-Crime-Dokumentarserie Forensic Files bekommt ein zweites Leben auf dem Smartphone. Wie Variety exklusiv berichtet, hat die Mikrodrama-Plattform GammaTime eine Lizenzvereinbarung mit Content Partners LLC geschlossen. Das Unternehmen hält die Rechte an der Originalserie und ermöglicht damit erstmals die Adaption einer etablierten TV-Marke für das Vertical Video-Format.

Geplant ist eine kuratierte Auswahl von 15 Episoden, die im Hochformat für die mobile Nutzung aufbereitet werden. Die Originalserie lief von 1996 bis 2011 über 14 Staffeln mit mehr als 400 Episoden. Von 2020 bis 2023 folgte das Revival Forensic Files II. Die Serie gilt als Wegbereiter des True-Crime-Genres im Fernsehen.

Forensic Files läuft in Deutschland primär unter dem Titel „Medical Detectives - Geheimnisse der Gerichtsmedizin“. Die Serie wird regelmäßig auf Nitro und RTL Crime im linearen Fernsehen ausgestrahlt und ist via Streaming über RTL+, Amazon Prime Video und teilweise auch über Netflix verfügbar.

Warum GammaTime auf True Crime setzt

GammaTime startete im Jahre 2025 mit 14 Millionen Dollar Startkapital und prominenten Investoren wie Reddit-Mitgründer Alexis Ohanian und Kris Jenner. Die Plattform hat sich von Beginn an auf True Crime als Schwerpunktgenre positioniert, ein Alleinstellungsmerkmal im ansonsten von Romanzen dominierten Mikrodrama-Markt.

Bill Block von „GammaTime“ erklärte gegenüber Variety, Forensic Files sei „der Goldstandard im True-Crime-Bereich“. Die straffe Erzählstruktur und die pointierten Wendungen jeder Episode machten die Serie „perfekt geeignet für das vertikale Sehformat“.

Scott Hemming von Content Partners bezeichnete GammaTime als „exzellenten Partner für die Expansion von Forensic Files in den vertikalen Raum“. Das Team habe ein tiefes Verständnis für das Format und echte Leidenschaft für True Crime.

Lizenzierung statt Eigenproduktion

Der Deal markiert einen interessanten Strategiewechsel im Mikrodrama-Markt. Während die meisten Plattformen auf Eigenproduktionen oder Webnovel-Adaptionen setzen, geht „GammaTime“ einen anderen Weg und lizenziert eine bereits existierende TV-Marke. Das senkt das Produktionsrisiko erheblich, denn Forensic Files hat eine erprobte Fangemeinde und funktionierendes Storytelling.

Gleichzeitig wirft der Ansatz Fragen auf. Die Originalepisoden von Forensic Files wurden für das traditionelle Fernsehformat mit 25-22 Minuten Laufzeit produziert. Wie die Umwandlung ins Vertikalformat konkret aussehen soll, ob als Neuschnitt, als gerahmtes Video oder als komplette Neubearbeitung, hat „GammaTime“ bislang nicht verraten. Die Qualität des Mikrodramas dürfte entscheidend dafür sein, ob Zuschauer die Inhalte als echten Mehrwert wahrnehmen oder als lieblose Zweitverwertung.

Was der Deal für den Markt bedeutet

Für die Mikrodrama-Branche ist die Forensic-Files-Lizenzierung ein Signal. Sie zeigt, dass Rechteinhaber klassischer TV-Formate das Vertikalformat als ernstzunehmenden Distributionskanal betrachten. Bislang war das Mikrodrama vor allem ein Ort für originäre Kurzproduktionen, oft mit niedrigem Budget und schneller Drehzeit.

Sollte das Modell funktionieren, könnten weitere Rechteinhaber folgen und ihre Archive für Mikrodrama-Plattformen öffnen. Das würde den Wettbewerb um Inhalte verändern. Weg von reiner Produktionskapazität hin zu Lizenzportfolios und Katalogtiefe.

Ob Zuschauer, die Forensic Files bereits von YouTube oder Streaming-Diensten kennen, bereit sind, dafür auf eine weitere App zu wechseln, bleibt allerdings offen.