Wie GoodShort eine Serie in drei Monaten produziert. Executive Producer Hao Chen erklärt das System
GoodShort-Produzent Hao Chen gibt seltene Einblicke in die Produktionsmaschine hinter vertikalen Kurzdramen. Vom Skript bis zur Veröffentlichung vergehen nur drei Monate, gedreht wird in sieben bis zehn Tagen. Was nach unmöglicher Kompression klingt, ist ein durchdachtes System.
Vertikale Kurzdramen entstehen in einem Tempo, das klassischen TV-Produktionen fremd ist. Bei GoodShort, der Plattform, die sich 2025 laut eigenen Angaben zur drittgrößten Vertikaldrama-App in den USA entwickelt hat, dauert der gesamte Prozess von der Entwicklung bis zur Veröffentlichung gerade einmal drei Monate. Executive Producer Hao Chen hat in einem Interview mit Our Culture Magazine erstmals offen über die Mechanik dahinter gesprochen.
Chen leitet bei GoodShort das Studio und verantwortet die englischsprachigen Inhalte in den USA, Kanada, Großbritannien, der Türkei und der Ukraine. Bevor er zu GoodShort kam, arbeitete er im Influencer-Marketing und in der Post-Produktion. Seine Beobachtung des chinesischen Mikrodrama-Markts, der von 500 Millionen USD im Jahr 2021 auf über 7 Milliarden USD bis 2024 angewachsen ist, prägte sein Verständnis von mobilem Content und performanceorientiertem Erzählen.
Sieben bis zehn Drehtage für 70 bis 100 Skriptseiten
Das Herzstück von GoodShorts Modell ist eine extreme Zeitkompression. Die Vorproduktion dauert drei bis fünf Wochen, die Dreharbeiten selbst nur sieben bis zehn Tage. In dieser Zeit werden 70 bis 100 Skriptseiten abgedreht, was dem Umfang eines abendfüllenden Spielfilms entspricht. Das Budget pro Serie liegt zwischen 160.000 und 200.000 USD.
Chen nennt das Prinzip „Precision under Compression“. Die Herausforderung besteht nicht darin, Kosten zu minimieren, sondern Ressourcen dort zu konzentrieren, wo emotionale Wirkung am stärksten zählt. Casting und Schauspielführung erhalten deshalb Vorrang vor Ausstattung und Kulisse. Drehorte werden gebündelt, Drehtage nach emotionalen Höhepunkten strukturiert, nicht nach logistischer Bequemlichkeit.
Der Schlüssel liegt laut Chen in früher Festlegung. Wer in der Entwicklungsphase die emotionalen Bögen, die wichtigsten Wendepunkte und die Cliffhanger-Struktur verbindlich definiert, spart teure Rewrites während des Drehs. „Efficiency starts in development“, erklärt er. Einmal verabschiedete Strukturen werden nicht mehr angetastet.
Was erfolgreiche Serien gemeinsam haben
Unter den über 100 Titeln, die Chen bei GoodShort verantwortet hat, stechen drei als Benchmarks hervor. Don't Challenge the Lady Billionaire kommt auf über 24 Millionen Aufrufe, A Mistaken Surrogate for the Ruthless Billionaire übertrifft 31 Millionen und Blood and Bones of the Disowned Daughter erreicht mehr als 25 Millionen Views. Was diese Serien nach Chens Einschätzung verbindet, sind starke emotionale Auszahlungen, klare Figuren-Stakes und Geschichten, in denen das Gute am Ende siegt.
Diese Formel klingt simpel, ist es aber in der Umsetzung nicht. Vertikales Format bedeutet enges Framing und intimere Bildsprache. Schauspieler tragen deshalb einen ungewöhnlich hohen Anteil der emotionalen Last. „Casting and performance direction often have a greater impact than scale or spectacle“, sagt Chen. Gleichzeitig muss die Schnittstelle zum mobilen Nutzungsverhalten bedient werden. Zuschauer entscheiden innerhalb von Sekunden, ob sie weiterschauen. Tempo, Cliffhanger und emotionale Beats müssen nicht nachträglich optimiert, sondern vom Skript an eingebaut sein.
Einordnung
GoodShorts Produktionssystem ist kein Einzelfall, aber Chen ist einer der wenigen Produzenten, die es öffentlich detailliert beschreiben. Die Zahlen, die er nennt, geben einen seltenen Einblick in die wirtschaftliche Realität des Formats. Bei einem Jahresumsatz von rund 220 Millionen USD und einem Budget von unter 200.000 USD pro Serie sind die Margen potenziell erheblich, sofern die Serien performen.
Die Kombination aus straffen Produktionsabläufen, früh gesperrten narrativen Strukturen und einer konsequenten Ausrichtung auf mobile Rezeptionsgewohnheiten beschreibt ein Modell, das zunehmend als Blaupause für internationale Vertikaldrama-Produktionen gilt. Für Plattformen wie ReelShort oder DramaBox, die ähnliche Skalierungsziele verfolgen, ist das kein fremdes Terrain. Chens Offenheit darüber, wie dieses System funktioniert, ist trotzdem bemerkenswert.