72 Serien in drei Jahren: Louisiana will zum Mikrodrama-Produktionszentrum werden

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Ein Drei-Jahres-Deal zwischen der Beratungsfirma Irrevocable Designee und dem Hollywood-Produzenten Tommy Harper soll Louisiana zum Produktionszentrum für vertikale Kurzserien machen. 72 Serien sind geplant, gedreht werden soll in den Celtic Studios in Baton Rouge.

Die US-Filmindustrie in Louisiana, lange als Hollywood South bekannt, setzt auf ein neues Format. Ein geplanter Drei-Jahres-Deal zwischen der lokalen Beratungsfirma Irrevocable Designee LLC und dem Hollywood-Produzenten Tommy Harper (Top Gun Maverick, Beetlejuice Beetlejuice, Netflix-Serie Wednesday) soll den Bundesstaat zum nationalen Produktionszentrum für Mikrodramen machen. 72 Serien sollen im Rahmen der Vereinbarung entstehen.

Harpers Produktionsfirma Tiny Verticals hat bereits einen Katalog von 50 Originaltiteln entwickelt, die sich gezielt an ein US-Publikum richten. Gedreht werden soll in den Celtic Studios in Baton Rouge, der größten eigens errichteten Filmstudio-Anlage im Golf-Süden der USA.

Steuervorteile als Standortargument

Der Deal baut auf Louisianas überarbeitetem Filmsteuerkreditsystem auf. Patrick Mulhearn, Chef von Irrevocable Designee, fungiert als Vermittler zwischen Produktionsfirmen und lokalen Steuerzahlern, die durch den Erwerb von Filmsteuerkrediten ihre Steuerlast senken können. Mulhearn und Harper haben dafür den Geauxlden Opportunity Media Fund ins Leben gerufen, einen Medienfonds mit dem Ziel, lokales Kapital für die Produktion vertikaler Serien zu bündeln.

Die Produktionen sollen beginnen, sobald der Fonds eine Million Dollar an lokalem Investment erreicht. Laut einem LinkedIn-Beitrag von Mulhearn waren die Gespräche mit Louisiana Economic Development und lokalen Branchenvertretern bereits im Herbst 2025 weit fortgeschritten.

Warum ein Top-Gun-Produzent auf Mikrodramen setzt

Tommy Harper ist kein Brancheneinsteiger. Er hat an Blockbustern wie Mission Impossible III und Star Wars - The Force Awakens mitgearbeitet und beobachtet das Vertical Video-Format seit rund einem Jahr. Neben Tiny Verticals gründete Harper auch VeYou, ein KI-gestütztes Startup für die Produktion und Distribution von Mikrodramen.

Beim Strictly Business Panel auf der SXSW 2026 erklärte Harper, er suche Talente gezielt abseits der klassischen Branchenstrukturen. „Ein paar meiner Regisseure habe ich auf YouTube gefunden. Ich sehe mir ihre Kurzfilme an, schreibe ihnen auf Instagram eine DM, und zwei Wochen später drehen sie für uns“, so Harper. Seine Vision für VeYou fasste er so zusammen. „Wir wollen im Grunde HBO sein, gemischt mit TikTok.“

Die Kostenstruktur spielt dabei eine zentrale Rolle. Wie der Baton Rouge Business Report berichtete, liegen die Produktionskosten einer Mikrodrama-Serie bei 100.000 bis 150.000 Dollar. Zum Vergleich kostet allein ein Drehbuch für einen traditionellen Kinofilm oft mehr. In China, wo das Format seinen Ursprung hat, hat sich daraus ein Markt mit einem geschätzten Volumen von sieben Milliarden Dollar entwickelt.

Zwischen Infrastruktur und offenen Fragen

Baton Rouge bringt tatsächlich Voraussetzungen mit, die für eine Serienproduktion im großen Stil nützlich sind. Die Celtic Studios bieten Platz für stehende Sets, die über mehrere Produktionen hinweg wiederverwendet werden können. Lokale Hochschulen wie die LSU und die geplante Louisiana Academy of Production sorgen für Nachwuchs. Und Louisianas Steuerkreditsystem gehört zu den großzügigsten in den USA.

Ob sich das Modell in der Praxis bewährt, hängt von mehreren Faktoren ab. Der Fonds muss erst sein Investitionsziel erreichen. Die Frage, ob US-produzierte Mikrodramen auf den von chinesischen Anbietern dominierten Plattformen wie ReelShort oder DramaBox bestehen können, ist noch offen. Und ob 72 Serien in drei Jahren realistisch sind, wird sich zeigen, zumal der US-Mikrodrama-Markt noch keinen verlässlichen Maßstab für Auslastung und Nachfrage hat.

Das Projekt zeigt dennoch, wie ernst Hollywood-Veteranen das Format mittlerweile nehmen. Wenn ein Produzent, dessen letzte Projekte Budgets im dreistelligen Millionenbereich hatten, auf Serien mit sechsstelligen Produktionskosten setzt, sagt das etwas über die Dynamik des Marktes.