Malaysias Autohersteller Perodua steigt mit Ramadan-Drama ins vertikale Seriengeschäft ein

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Der malaysische Autohersteller Perodua nutzt seine Super-App P-Circle, um mit dem vertikalen Drama "My Ramadan Love Story" eigene Serieninhalte anzubieten. Das Projekt zeigt, wie branchenfremde Unternehmen in Südostasien das Mikrodrama-Format für sich entdecken.

Ein Autohersteller, der vertikale Serien produziert? In Malaysia ist das seit März 2026 Realität. Perodua, der größte Automobilhersteller des Landes, hat über seine Super-App P-Circle das vertikale Drama My Ramadan Love Story veröffentlicht. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit dem Produktionshaus Nuansa Sdn Bhd und wird von Osman Ali (Hantu Kak Limah, Polis Evo) inszeniert, einem der bekanntesten Filmemacher Malaysias.

Das Projekt ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. P-Circle wurde im Oktober 2025 als Peroduas Mobilitäts-Super-App gestartet und vereint E-Wallet, Ladestationsfinder für Elektroautos und Fahrzeugverwaltung unter einem Dach. Dass die App jetzt auch als Streaming-Plattform für lokale Inhalte fungiert, markiert einen strategischen Schritt in Richtung Content-Ökosystem.

Eine Liebesgeschichte im Ramadan-Rhythmus

My Ramadan Love Story erzählt eine Liebesgeschichte, die sich bewusst vom konflikthungrigen Stil vieler Ramadan-Dramen absetzt. Produzent Jaya Julian von Nuansa erklärte bei der Premiere im Courtyard by Marriott in Kuala Lumpur, die Serie sei von kleinen Alltagsmomenten des Fastenmonats inspiriert. „Ramadan ist eine Zeit, um innezuhalten, zu reflektieren und aufmerksamer gegenüber den eigenen Gefühlen zu werden“, so Julian gegenüber dem malaysischen Magazin Femagonline. Die Handlung entwickle sich nicht über große Konflikte, sondern über stille Blicke, unausgesprochene Gefühle und Momente des Respekts.

Regisseur Osman Ali betonte die bewusst ruhige Erzählweise der Produktion. Die Geschichte wachse mit der Geduld eines gut durchgehaltenen Fastens, wie es die New Straits Times formulierte. Die Besetzung umfasst die in Malaysia populären Darsteller Muaz Zabir, Ezzanie Jasny, Farah Nadiah, Wan Raja und Amanda Naza.

Peroduas Content-Strategie als Blaupause

Der Fall Perodua ist für die globale Mikrodrama-Branche aus einem konkreten Grund relevant. Er zeigt, dass das Vertical Video-Format mittlerweile weit über klassische Streaming-Plattformen hinaus gedacht wird. Wenn ein Automobilkonzern seine Kunden-App um vertikale Serien erweitert, verschiebt sich die Definition dessen, wer als Content-Anbieter gelten kann.

P-Circle verfolgt dabei eine andere Logik als reine Mikrodrama-Apps wie ReelShort oder DramaBox. Die Streaming-Funktion ist nur ein Baustein neben E-Wallet, Navigation und Smart-Home-Steuerung. Die Inhalte dienen nicht der direkten Monetarisierung durch Münzsysteme oder Abonnements, sondern der Kundenbindung innerhalb eines bestehenden Marken-Ökosystems. Perodua verkauft keine Episoden, sondern Verweildauer in der eigenen App.

Einordnung für den globalen Markt

Malaysia ist nach den Philippinen und Indonesien ein weiterer südostasiatischer Markt, in dem vertikale Serien an Bedeutung gewinnen. Während chinesische Plattformen wie DramaBox und ShortMax vor allem mit übersetzten Produktionen in die Region drängen, setzt P-Circle auf lokal produzierte Inhalte in malaiischer Sprache.

Die Premiere von My Ramadan Love Story fand bewusst im Rahmen eines Iftar-Events statt, bei dem auch Waisenkinder eingeladen waren. Das unterstreicht den Ansatz, vertikale Serien nicht als isoliertes Unterhaltungsprodukt zu positionieren, sondern in den kulturellen Kontext des Ramadan einzubetten.

Für die Mikrodrama-Branche lässt sich daraus eine Beobachtung ableiten. Das Format eignet sich nicht nur für spezialisierte Streaming-Apps, sondern wird zunehmend von Unternehmen adaptiert, die gar nicht primär im Entertainment-Geschäft tätig sind. Ob sich Peroduas Experiment als nachhaltige Content-Strategie erweist oder ein saisonaler Versuch bleibt, wird sich nach dem Ramadan zeigen.

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