Neue Mikrodrama-Plattform will Doom-Scrolling in Freude verwandeln
Die von ehemaligen NBCU- und Showtime-Führungskräften gegründete Mikrodrama-Plattform MicroCo will mit günstigen Produktionen und Hollywood-Erfahrung im US-Markt bestehen. Bei einem Branchenpanel in Burbank skizzierte Chief Creative Officer Susan Rovner die Strategie.
Die noch nicht gestartete Mikrodrama-Plattform „MicroCo“ hat auf einem Panel der Hollywood Radio and Television Society in Burbank ihre Marktstrategie vorgestellt. Chief Creative Officer Susan Rovner (zuvor Chefin von NBCUniversal Television and Streaming) erklärte, das Unternehmen wolle aus dem allgegenwärtigen Doom-Scrolling ein „Joy Scrolling“ machen. „MicroCo“ wurde im August 2025 als 50/50-Joint-Venture von Cineverse und Lloyd Brauns Banyan Ventures gegründet. CEO ist Jana Winograde, eine ehemalige Führungskraft der US-Sender Showtime und ABC.
Niedrige Budgets, breites Genre-Spektrum
Obwohl das Gründerteam aus dem klassischen Hollywood stammt, will MicroCo laut Rovner nicht das Rad neu erfinden. Die Budgets sollen bewusst niedrig bleiben, um mit etablierten Plattformen wie ReelShort, GoodShort und MyDrama konkurrieren zu können. Gleichzeitig plant das Unternehmen, über das dominante Romance-Genre hinauszugehen und auch Horror, Anime sowie Unscripted-Formate anzubieten.
Rovner verwies darauf, dass traditionelle Medien aufgehört hätten, Soap Operas und Mid-Budget-Romanzen zu produzieren, weil sie als nicht kosteneffizient galten. „Nur weil man aufhört, etwas zu produzieren, heißt das nicht, dass die Leute es nicht mehr wollen“, sagte sie gegenüber The Wrap. Das Mikrodrama-Format habe diese Lücke erkannt und gefüllt.
Branchenstimmen zum Produktionstempo
Auf dem Panel saßen neben Rovner auch Matthew Ko (CEO von Knockout Shorts), Silas Wang (Head of Talent and Brand Partnerships bei DramaBox) und Vivian Anan Wang (Head of Content bei Crisp Momentum). Ko kündigte an, sein Studio werde weniger Titel als die Konkurrenz produzieren, dafür mit höherem Anspruch. Ein erstes Projekt mit einem Oscar-nominierten Darsteller stehe kurz vor der Markteinführung. Wang von DramaBox bezifferte den Output seiner Plattform auf rund 30 Produktionen pro Monat und hob hervor, dass viele Schauspieler erstmals von ihrer Arbeit leben könnten, ohne nebenher kellnern zu müssen.
Silas Wang ordnete den US-Markt im Vergleich zu China als „Verticals 1.0“ ein, während die chinesische Produktion bereits bei „Verticals 3.0“ angelangt sei, mit deutlich cineastischerer Qualität. Das deckt sich mit Einschätzungen aus der Branche. Laut Deadline plant MicroCo den Launch für das zweite Quartal 2026 und lotet verschiedene Erlösmodelle aus, darunter Werbung, In-App-Käufe und Premium-Optionen. Vivian Anan Wang sieht den nächsten großen Schritt in einem werbebasierten Gratismodell nach chinesischem Vorbild, bei dem sich bezahlte und kostenlose Inhalte stärker differenzieren würden.
Ob „MicroCo“ sich mit Hollywood-Erfahrung, aber ohne nennenswerte Bibliothek gegen die etablierten, chinesisch finanzierten Plattformen behaupten kann, bleibt offen. Der geplante Launch fällt in eine Phase, in der immer mehr Wettbewerber in den US-Markt drängen und die Nutzerakquise-Kosten steigen.