Mikrodrama-Apps schlagen Netflix und Prime Video beim Mobile-Engagement
Nutzer von Mikrodrama-Apps verbringen täglich mehr Zeit in der App als Netflix- oder Prime-Video-Nutzer auf dem Smartphone. Laut einer aktuellen Omdia-Analyse könnte die Branche 2026 einen Umsatz von 14 Milliarden Dollar erreichen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. ReelShort-Nutzer verbringen im Schnitt 35,7 Minuten pro Tag in der App. Prime Video kommt im Vergleich auf 26,9 Minuten, Netflix auf 24,8 Minuten und Disney+ auf gerade einmal 23 Minuten. Das zeigt eine neue Analyse von Omdia auf Basis von Sensor-Tower-Daten.
Die Reichweite wächst rasant
Noch liegt Netflix bei den monatlich aktiven Nutzern in den USA mit rund 12 Millionen weit vor ReelShort mit 1,2 Millionen. Doch die Dynamik ist eindeutig. Die US-Nutzerschaft von ReelShort wuchs zwischen September 2024 und September 2025 um 51 Prozent. Weltweit wurden Mikrodrama-Apps 2025 über 2,3 Milliarden Mal heruntergeladen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Gleichzeitig gingen die Downloads traditioneller Streaming-Apps um mehr als 4 Prozent zurück.
Umsatz explodiert
Der globale Mikrodrama-Markt erreichte 2025 einen Umsatz von 11 Milliarden Dollar und soll 2026 auf 14 Milliarden Dollar steigen. Allein ReelShort und DramaBox generierten im ersten Quartal 2025 zusammen rund 250 Millionen Dollar Umsatz. Die USA werden 2026 voraussichtlich die Hälfte aller Mikrodrama-Umsätze außerhalb Chinas ausmachen, etwa 1,5 Milliarden Dollar.
Lateinamerika als nächster Wachstumsmotor
Nach den USA rückt Lateinamerika in den Fokus. Im dritten Quartal 2025 entfielen 176 Millionen App-Installationen auf die Region, ein Viertel des weltweiten Gesamtvolumens und sechsmal mehr als ein Jahr zuvor. Internetnutzer in Brasilien verbrachten in der ersten Jahreshälfte 2025 fast zehn Stunden pro Woche mit Kurzvideos. Regionale Player wie Globo, TelevisaUnivision und Kwai bauen bereits eigene vertikale Serien-Pipelines auf.
Marketing statt Produktion
Ein kritischer Punkt bleibt die Marketingintensität. Mikrodrama-Plattformen investieren laut Variety bis zu 90 Prozent ihres Budgets in Marketing statt in die Produktion von Inhalten. Ob dieses Modell langfristig tragfähig ist, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass das Format eine mobile Nutzungsdynamik erzeugt, die klassische Streaming-Plattformen in diesem Segment nicht erreichen.