Ubisoft beobachtet Mikrodrama-Markt, hält Qualität aber noch für zu niedrig
Der französische Spielehersteller Ubisoft prüft einen Einstieg in das Mikrodrama-Geschäft, schreckt jedoch vor dem aktuellen Qualitätsniveau zurück. Das kündigte Produktions- und Business-Chef Taieb Ben Amor beim Branchenevent Cartoon Next in Marseille an. Konkrete Pläne gibt es nicht.
Ubisoft zählt zu den größten Spieleherstellern Europas, doch eine Mikrodrama-Sparte sucht man bei dem französischen Konzern bislang vergeblich. Bei der Branchenveranstaltung Cartoon Next in Marseille machte Taieb Ben Amor, Director of Production and Business Affairs der Film- und TV-Einheit, nun deutlich, dass ein Einstieg diskutiert wird. Der Manager zeigte sich aber zurückhaltend, weil die aktuelle Produktionsqualität im Segment nicht seinen Ansprüchen genügt.
„Wir denken definitiv darüber nach“, sagte Ben Amor mit Blick auf den Mikrodrama-Sektor. Einen Markteintritt will Ubisoft nach seinen Angaben erst dann wagen, wenn sich das inhaltliche Niveau spürbar verbessert hat. Momentan wirke vieles in der Kategorie „etwas billig“. Gleichzeitig räumte er ein, dass Mikrodrama ein großer Markt und ein großer Trend sei, betonte jedoch, dass sein Haus aktuell nur prüfe und nicht investiere.
Zahlen als Lockmittel
Die Marktdaten, auf die sich Ben Amor bezog, stammen aus einer Untersuchung des britischen Marktforschers Omdia. Laut der auf der MIPCOM vorgestellten Omdia-Prognose erreichten Mikrodramen 2025 weltweit einen Umsatz von 11 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Jahr 2026 rechnet Omdia mit 14 Milliarden US-Dollar. Das Branchenmagazin C21Media zitiert Ben Amor mit einem weiteren Einwand. Teile des Marktes würden intern als trope-beladen und ermüdend wahrgenommen.
Finanzieller Handlungsdruck
Die Zurückhaltung fällt in eine schwierige Phase für Ubisoft. Der Konzern hinter Assassin's Creed hat im Januar eine Restrukturierung angekündigt und rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit einem operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro. Laut einer Analyse von CNBC zur Restrukturierung strich das Unternehmen sechs Spiele komplett, darunter Prince of Persia The Sands of Time, und verschob sieben weitere Titel. Die Kostenkürzungen belaufen sich nach Angaben von GamesIndustry.biz auf rund 200 Millionen Euro, inklusive Schließungen einzelner Studios. Die 2011 gegründete Film- und TV-Sparte blieb von den Streichungen verschont, gilt intern aber als Bereich, der mit knappen Budgets Ergebnisse liefern muss.
Was Ubisoft bereits verwertet
Ben Amor verwies darauf, dass seine Einheit parallel mehrere klassische Adaptionen vorantreibe. Derzeit entsteht eine Live-Action-Serie zu Assassin's Creed für Netflix. Die animierte Spionageserie Splinter Cell Deathwatch lief bereits im Oktober 2025 beim selben Streamer an. Hinzu kommen Kinderformate rund um das Rabbids-Franchise und die Erwachsenenserie Captain Laserhawk. Ob und in welcher Form ein eigenes Mikrodrama-Format in dieses Portfolio passen könnte, ließ der Manager offen. Eine Lizenzierung von Marken an etablierte Anbieter wie ReelShort oder DramaBox nannte er nicht explizit als Option, blieb aber bei der Aussage, dass Qualität entscheidend sei. Ob sich die von Omdia prognostizierten Wachstumsraten halten lassen, hängt auch davon ab, ob größere Medienkonzerne tatsächlich einsteigen. Bislang bleiben viele Beobachter skeptisch, weil die Mehrheit der Einnahmen weiter aus dem Coins-basierten Freemium-Modell stammt und nicht aus klassischer Lizenzverwertung.