After Divorce, I'm Spoiled by Three Brothers im Review: Wenn der Shein-Werbeblock das Drama überlagert

·
Von
Romance

After Divorce, I'm Spoiled by Three Brothers will Revenge-Romanze mit Familiendrama verbinden. Anna DeRusso und Jesse Morales liefern eine überraschend gute Chemie, doch die titelgebenden Brüder bleiben Staffage und ein langer Shein-Werbeblock bricht mitten im Plot die Stimmung. Mein Blick auf die 52-teilige ReelShort-Serie.

Wer sich bei ReelShort auf eine Revenge-Romanze mit großem Familienauftritt einstellt, landet früher oder später bei „After Divorce, I'm Spoiled by Three Brothers“. Der Titel verspricht drei Brüder. Was ich nach 52 Episoden bekommen habe, ist eher ein Zwei-Personen-Stück mit Helikopter-Cameo und einem mittelgroßen Shein-Werbeblock in der Mitte.

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wie viele Produktplatzierungen ein Mikrodrama verträgt, bevor es kippt? Ich habe die Antwort gefunden. Sie liegt irgendwo zwischen Episode 20 und 30.

Einordnung

After Divorce, I'm Spoiled by Three Brothers ist eine ReelShort-Produktion aus dem Hause Crazy Maple Studio, verteilt auf 52 Episoden im klassischen Vertical Video-Format. In den Hauptrollen stehen Anna DeRusso und Jesse Morales, beide keine Unbekannten im Vertical-Kosmos. DeRusso hat sich zuletzt mit Titeln wie After Being Marked by Alpha und The Bookworm & the Billionaire einen Namen gemacht, Morales wiederum dürfte Teilen des Publikums noch aus dem Kinofilm Magic Mike bekannt sein.

Die Serie bedient eine mittlerweile stabile Formel bei ReelShort. Verstoßene Ehefrau, später offenbarte Abstammung, mächtige Familie im Hintergrund, Rückkehr der Stärke. Was hier anders sein soll, steht im Titel. Drei Brüder. Das klingt nach Familiendynamik, nach Geplänkel, nach Szenen, in denen Catherine zwischen drei verschiedenen Temperamenten navigieren muss. Und genau hier liegt das Problem, zu dem ich später noch komme.

Handlung

Catherine Rowen hat drei Jahre als Vertragsehefrau von Timothy Barrett verbracht, bedient, ignoriert und beim Sex mit dem falschen Namen angesprochen. Herrje. Als sie endlich schwanger wird und das eigentlich ein guter Tag werden sollte, überreicht Timothy ihr die Scheidungspapiere. Sein innerer Monolog erklärt, warum er das tun muss. Kate ist zurück, Timothy fühlt sich ihr verpflichtet, weil sie ihm einst eine Niere gespendet hat. Ob das als Rechtfertigung für dauerhafte Grausamkeit taugt, darf jeder selbst entscheiden.

Catherine tut das einzig Vernünftige und behält ihre Schwangerschaft für sich. Eine Szene, in der sie ein Ultraschallbild verschluckt, damit niemand davon erfährt, ist vermutlich die absurdeste Idee, die ich dieses Jahr in einem Mikrodrama gesehen habe, und ich sage das als Kompliment. Sie passt genau in den Ton der Serie.

Dann kommt der Helikopter. Und mit ihm die Erkenntnis, dass Catherine in Wahrheit die verschollene Tochter der mächtigen Lane-Familie ist, rechtmäßige Schwester von Dominic, Connor und Liam. Ab hier wechselt die Serie das Tempo. Catherine bekommt einen Job als Innenarchitektin, den ihre Brüder ihr vermittelt haben, und beginnt den langsamen Prozess, sich selbst wiederzufinden. Timothy wiederum entdeckt zu spät, was er verloren hat.

Video abspielen

Analyse

Die Chemie zwischen Anna DeRusso und Jesse Morales ist das, was diese Serie über Wasser hält. Auf dem Papier wirken die beiden wie zwei Schauspieler aus unterschiedlichen Produktionen, die versehentlich im gleichen Set gelandet sind. Auf dem Bildschirm funktioniert das überraschend gut. DeRusso spielt Catherine mit jener Mischung aus Verletzlichkeit und Härte, die das Genre inzwischen erwartet, ohne in die Karikatur abzugleiten. Morales darf Timothy als den Mann geben, der erst begreift, was er hat, nachdem er alles zerstört hat, und das ist ein undankbarer Job.

Denn ehrlich gesagt, Timothy ist als Figur ein Problem. Er lässt zu, dass Kate Catherine öffentlich demütigt. Er glaubt jeder Intrige, die ihm vorgesetzt wird. Und am Ende wird ihm verziehen, obwohl er in 40 Episoden nichts getan hat, was Vergebung rechtfertigen würde. Catherine ist ein besserer Mensch, als ich es wäre. Das ist kein Kompliment an die Serie, das ist eine ehrliche Reaktion.

Das eigentliche Ärgernis ist allerdings ein anderes. Irgendwann in der Mitte der Serie verwandelt sich „After Divorce, I'm Spoiled by Three Brothers“ in einen Werbeblock für Shein. Nicht subtil. Nicht charmant integriert. Sondern so offen, dass man aufhört, dem Plot zu folgen, und anfängt zu zählen, wie viele Kleidungsstücke die Kamera gerade einfängt. Produktplatzierung kann funktionieren, wenn sie die Geschichte nicht unterbricht. Hier unterbricht sie die Geschichte. Wer an dieser Stelle die Serie wegklickt, ist vermutlich der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Der größte dramaturgische Fehler steckt aber im Titel selbst. Drei Brüder. Drei eigene Charaktere. Drei mögliche Subplots. Drei Quellen für Humor, Konflikt und echte Familienszenen. Stattdessen bleiben Dominic, Connor und Liam weitgehend austauschbar. Sie tauchen auf, wenn Catherine Unterstützung braucht, und verschwinden wieder, wenn der nächste Timothy-Moment ansteht. Die Serie hätte mehr aus ihnen machen können, wollte es aber offenbar nicht. Schade, denn genau hier lag die Chance, sich von Dutzenden ähnlichen Titeln abzusetzen.

Fazit

Ehrlich gesagt bleibt am Ende ein gemischtes Gefühl. Die beiden Hauptdarsteller ziehen die Serie durch. DeRusso ist als Catherine eine Figur, der man gerne zusieht, und Morales macht das Beste aus einer Rolle, die ihm nicht viel Spielraum lässt. Wer ReelShort-Romanzen mit Rache-Grundton mag, bekommt hier genau das.

Wer dagegen wegen der drei Brüder einschaltet, wird enttäuscht. Der Titel verspricht eine Familiendynamik, die die Serie nie einlöst. Und der Shein-Werbeblock in der Mitte ist der Punkt, an dem ich vom Zuschauer zum Zeugen einer Marketingkampagne werde.

Von mir gibt es 3 von 5 Sternen. Die guten Hauptdarsteller sichern das solide Mittelfeld, der verschenkte Ansatz mit den Brüdern und die plumpe Produktplatzierung verhindern mehr. Wer nach einem Binge-Nachmittag sucht und nicht zu streng mit Logiklücken ist, darf einschalten. Wer Wert auf klare Figurenzeichnung und saubere Dramaturgie legt, findet bei ReelShort bessere Titel. Einige davon habe ich zuletzt in meinem Review zu Love in the Ashes of Us besprochen.

After Divorce, I'm Spoiled by Three Brothers ansehen