Shorta startet als erste lateinamerikanische Mikrodrama-Plattform

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In Argentinien ist mit Shorta die erste lateinamerikanische Plattform für vertikale Kurzserien gestartet. Hinter dem Projekt stehen Birdman-Co-Autor Armando Bo, Streaming-Pionier Tomás Escobar und Tech-Investor Ariel Arrieta.

Mit Shorta hat Lateinamerika seine erste dedizierte Plattform für vertikale Kurzserien bekommen. Die App ist seit Ende März für iOS und Android verfügbar und startete mit über 40 Originalserien in Genres wie Horror, Science-Fiction, Komödie und Thriller. Damit positioniert sich Shorta bewusst jenseits der Romantik-lastigen Formate, die den globalen Vertical Video-Markt bisher dominieren.

Hinter dem Projekt stehen drei Gründer mit unterschiedlichem Hintergrund. Armando Bo ist als Co-Autor von Birdman bekannt, für den er einen Oscar für das beste Originaldrehbuch gewann. Er bringt die kreative Vision ein. Tomás Escobar, Mitgründer des lateinamerikanischen Streaming-Dienstes Cuevana (2009 bis 2014), verantwortet die technische Seite. Ariel Arrieta, Managing Partner bei NXTP Ventures, steuert Kapital und operative Erfahrung bei.

Ambitionierte Produktionsziele

Shorta plant, bis Dezember 2027 mehr als 500 Originalproduktionen zu veröffentlichen. Allein in Argentinien sollen 2026 über 100 Serien entstehen. An den ersten Produktionen sind unter anderem El Marginal-Showrunner Alejandro Ciancio und Familia de Diván-Regisseurin Ariana Saiegh beteiligt.

Das Monetarisierungsmodell unterscheidet sich von der im Mikrodrama-Markt üblichen Content-Monetarisierung über Coin-Systeme. Shorta setzt stattdessen auf eine Umsatzbeteiligung für Creators, die die Gründer eher mit YouTube und Spotify vergleichen als mit klassischen TV-Deals.

Investoren und Wettbewerb in Lateinamerika

Finanziell wird Shorta von einer Reihe prominenter Tech-Investoren aus Lateinamerika und den USA getragen. Zu den Geldgebern zählen laut Deadline unter anderem Guillermo Rauch (Vercel), Martín Varsavsky (Myelin VC), Matías Woloski (Auth0) und Rebeca Hwang (Kalei Ventures). Die breite Investorenbasis aus dem Technologie-Sektor unterstreicht, dass Shorta sich eher als Tech-Startup denn als klassisches Medienunternehmen versteht.

Der lateinamerikanische Markt ist für chinesische Mikrodrama-Plattformen bereits relevant. Laut einer CNBC-Analyse gehörten ReelShort und DramaBox 2025 zu den meistgeladenen Video-Unterhaltungs-Apps der Region, mit 77 beziehungsweise 74 Millionen Downloads. Das Branchenportal Escribiendo Cine beschreibt das Projekt als erste Plattform, die vertikale Fiktion von Anfang an für das Smartphone konzipiert, ohne nachträgliche Formatanpassung.

Offene Fragen zum Geschäftsmodell

Ob das Profit-Sharing-Modell ausreicht, um dauerhaft hochwertige Produktionen zu finanzieren, bleibt abzuwarten. Die bestehenden Plattformen haben mit ihrem Coin-basierten Bezahlsystem bewiesen, dass sich mit Mikrodramen Umsatz generieren lässt. Ob ein auf Umsatzbeteiligung basierendes Modell ähnliche Einnahmen erzielen kann, ist im Mikrodrama-Segment bisher ungetestet. Gleichzeitig könnte genau dieser Ansatz Shorta für lateinamerikanische Kreative attraktiver machen als die chinesischen Wettbewerber, deren Produktionsbedingungen in der Branche immer wieder kritisch diskutiert werden.