Banijay Productions Germany produziert erstes Mikrodrama mit Creator-Cast

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Banijay Productions Germany hat sein erstes Mikrodrama fertig produziert. Das New-Adult-Format umfasst 28 Episoden und setzt auf acht deutsche Creator mit zusammen mehr als 33 Millionen Followern. Einen Käufer gibt es bislang nicht.

Banijay Productions Germany steigt in die Produktion von Mikrodramen ein und hat sein erstes Projekt bereits abgedreht. Das gab die Produktionsfirma auf der Branchenmesse Series Mania in Lille bekannt, wie DWDL zuerst berichtete. Nach Vorstößen in Brasilien, Finnland und Spanien ist Deutschland nun der vierte Markt, in dem der Konzern vertikale Kurzformate entwickelt.

Das noch unbetitelte Debütprojekt umfasst laut Banijays Blogbeitrag 28 Episoden im Genre New Adult. Vor der Kamera stehen acht deutsche Creator, die zusammen auf mehr als 33 Millionen Follower kommen. Deren Reichweite ist nach Angaben des Unternehmens „integraler Teil der Distributionsstrategie“. Wer genau mitspielt, hat Banijay allerdings noch nicht verraten.

Scripted-Erfahrung trifft Creator-Ökonomie

Die Produktion verantwortet Executive Producer Imke Runde, die zuvor Scripted-Formate wie Verklag mich doch! (VOX), Richterin Barbara Salesch (SAT.1) und Staatsanwalt Posch ermittelt (RTL) betreut hat. Banijay setzt damit auf eine Kombination aus klassischer TV-Produktionserfahrung und Influencer-Cast-Strategie, wie sie im internationalen Mikrodrama-Geschäft zunehmend üblich wird.

Das Unternehmen verweist auf eigene Erfahrungen mit Creator-Kooperationen, etwa bei der Prime-Video-Show Mission Unknown oder mit der Creatorin SelfieSandra. Ziel sei es, Inhalte und Distribution von Beginn an stärker miteinander zu verzahnen, statt erst nach der Produktion nach Abspielwegen zu suchen.

Managing Director Katrin Stefanović erklärte laut einem Bericht von DWDL, Mikrodramen seien „mehr als ein Trend“. Man habe sich „bewusst dafür entschieden, das Thema aktiv anzugehen“, gemeinsam mit Creatorn, die eine enorme Reichweite mitbrächten. So entstehe „eine neue Art des Erzählens und Produzierens“.

Noch kein Käufer, aber ein Signal

Trotz der fertigen Produktion hat Banijay noch keinen Käufer für das Format gefunden. Wo und wann die 28 Episoden zu sehen sein werden, ist offen. Das unterscheidet den Vorstoß von den Projekten in Finnland, wo der öffentlich-rechtliche Sender YLE die satirische Mockumentary Survival Sisters bereits bestellt hatte, bevor die Produktion begann.

Dass Banijay das Format auf Risiko produziert hat, zeigt allerdings auch, wie ernst der Konzern das Segment nimmt. Die Strategie ähnelt dem, was in der klassischen TV-Produktion als Eigenentwicklung oder Spec-Projekt bekannt ist. Man investiert in ein Pilotformat, um es potenziellen Abnehmern vorführen zu können.

Wachsende Konkurrenz aus Deutschland

Banijay ist nicht die einzige deutsche Produktionsfirma, die sich im Mikrodrama-Bereich positioniert. Constantin Entertainment hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, verstärkt vertikale Kurzformate zu produzieren. Laut dem gleichen DWDL-Bericht hat Constantin bereits zwei Staffeln mit jeweils 60 Folgen für die internationale Plattform Crisp Momentum produziert, die im April erscheinen sollen.

Die Ausgangslage der beiden Unternehmen unterscheidet sich allerdings deutlich. Constantin setzt auf eine bestehende Plattform als Abnehmer, während Banijay seine Creator-Reichweite als eigenständigen Distributionskanal positioniert. Welcher Ansatz im noch jungen deutschen Mikrodrama-Markt tragfähiger ist, lässt sich derzeit nicht absehen.

Ein Markt, der noch Abnehmer sucht

Mit Banijay und Constantin Entertainment steigen zwei etablierte Produktionshäuser in ein Segment ein, das bislang vor allem von spezialisierten Apps wie ReelShort oder DramaBox bespielt wird. Deren Geschäftsmodell basiert auf Freemium-Monetarisierung über eigene Plattformen, nicht auf dem Verkauf an klassische Sender oder Streamer.

Für die deutschen Produktionsfirmen stellt sich deshalb eine grundlegende Frage. Wer kauft Mikrodramen, die nicht auf einer eigenen App laufen? Traditionelle Sender haben das Format bislang kaum auf dem Schirm, und die etablierten Mikrodrama-Plattformen produzieren überwiegend selbst. Banijays Ansatz, über Creator-Reichweite eigene Distributionswege zu schaffen, ist eine mögliche Antwort. Ob 33 Millionen Social-Media-Follower ausreichen, um ein vertikales Serienformat wirtschaftlich zu tragen, muss sich allerdings erst noch zeigen.