8 Mikrodramen mit queeren Figuren und Behinderungsdarstellung

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BuzzFeed hat eine Auswahl von acht Mikrodrama-Serien zusammengestellt, die queere Storylines, diverse Figurenkonstellationen und Behinderungsrepräsentation in den Vordergrund stellen. Die Liste zeigt, wie das vertikale Kurzserienformat Geschichten erzählt, die im klassischen Fernsehen selten vorkommen.

Das amerikanische Portal „BuzzFeed“ hat eine Liste mit acht Mikrodrama-Serien veröffentlicht, die sich durch inklusive Repräsentation auszeichnen. Die Auswahl umfasst Produktionen auf GoodShort, ReelShort, DramaBox und MyDrama sowie YouTube und Instagram. Im Fokus stehen queere Liebesgeschichten, diverse Figurenkonstellationen und eine Darstellung von Behinderung abseits gängiger Klischees.

Autorin Arsheen Kaur Sahni beschreibt in ihrem Artikel, wie sie über das Vertical Video-Format auf Geschichten gestoßen sei, die im klassischen Fernsehen kaum stattfinden. Sie richtet sich direkt an Mainstream-Medien und fordert, von diesen Produktionen zu lernen.

Von Boys-Love-Romanzen bis Disability-Repräsentation

Die acht vorgestellten Serien decken ein breites Spektrum ab. Mehrere Titel setzen auf schwule Liebesgeschichten, darunter Sneak Me in Your Closet, My Prince auf GoodShort (72 Episoden), in der eine spontane Hochzeit zwischen zwei Männern die Handlung antreibt, und Tutoring My Rival Boy auf ReelShort (72 Episoden) mit einer Enemies-to-Lovers-Dynamik zwischen Studenten. My Secret Agent Husband auf DramaBox (57 Episoden plus 2. Staffel) verbindet eine Fake-Beziehung mit einer Undercover-Ermittlung.

Auch lesbische Storylines sind vertreten. Chained by Her Love auf MyDrama erzählt von einer Frau, die als Assistentin einer CEO arbeitet und in ein zunehmend komplexes Machtverhältnis gerät. Die australische YouTube-Serie Flunk begleitet eine Schülerin beim Entdecken ihrer Sexualität. Fünf Staffeln gibt es auch auf ReelShort zu sehen.
Hier gibt es einen guten YouTube-Channel zur Serie

Auffällig ist, dass die Instagram-Produktion Roomies, Roomies, Roomies auch Behinderungsrepräsentation einbezieht. Eine Szene, in der eine Figur den Partner eines behinderten Mannes dafür kritisiert, ihn bevormundend zu behandeln, hebt die BuzzFeed-Autorin als besonders gelungen hervor.

Warum die Liste bemerkenswert ist

Dass ein Massenmedium wie „BuzzFeed“ eine solche Zusammenstellung veröffentlicht, ist für die Mikrodrama-Branche ein relevantes Signal. Die Liste zeigt zweierlei. Erstens erreicht das vertikale Kurzserienformat mittlerweile eine Leserschaft, die bislang vor allem traditionelle Streaming-Serien im Blick hatte. Zweitens wird deutlich, dass sich auf Plattformen wie GoodShort und MyDrama Nischen entwickelt haben, in denen inklusive Erzählungen nicht die Ausnahme, sondern ein wachsendes Segment darstellen.

Die vorgestellten Titel stammen überwiegend aus der sogenannten Boys-Love-Sparte (BL), einem Genre, das seinen Ursprung in ostasiatischen Medien hat und über Duanju-Plattformen den Sprung auf westliche Mikrodrama-Apps geschafft hat. In dem Segment gibt es inzwischen über 70 vertikale Serien auf, und auf TikTok diskutieren Creator regelmäßig neue Veröffentlichungen.

Zwischen Sichtbarkeit und Substanz

So erfreulich die wachsende Vielfalt auf Mikrodrama-Plattformen ist, bleiben Fragen offen. Die meisten der genannten Serien folgen den bekannten Tropen des Formats, nur eben mit queeren Figuren. Ob Cliffhanger-getriebene Plots mit Milliardären, Mafia-Erben und Fake-Ehen die Tiefe bieten, die echte Repräsentation erfordert, lässt sich diskutieren. Dass ein Prinz jetzt einen Mann heiratet statt eine Frau, ändert die Erzählstruktur nicht grundlegend.

Gleichzeitig wäre es falsch, das geringzuschätzen. Sichtbarkeit in einem Medium, das laut Branchenschätzungen hunderte Millionen Nutzer weltweit erreicht, hat Gewicht. Die Frage ist, ob auf die Quantität auch Qualität folgt. Bislang stechen Produktionen wie Flunk mit ihren längeren Episoden (bis zu fünf Minuten) und dem authentischeren Erzählstil heraus. Ob die typischen 90-Sekunden-Formate mit ihren rasanten Wendungen ähnlich nuancierte Geschichten erzählen können, bleibt eine offene Frage für die gesamte Branche.

Wer mag kann sich hier die erste Episode der Serie Flunk bei YouTube anschauen:

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