Disney+, Netflix, Peacock: Streaming-Giganten erobern das Vertikal-Format
Disney+, Netflix und Peacock bauen ihre Angebote im vertikalen Video-Format massiv aus. Die großen Streaming-Plattformen reagieren damit auf den Mikrodrama-Boom und positionieren sich gegen spezialisierte Apps wie ReelShort und DramaBox.
Der Siegeszug der Verticals ist nicht mehr zu stoppen. Nachdem spezialisierte Mikrodrama-Plattformen wie ReelShort und DramaBox Jahre lang den Markt dominiert haben, entdecken nun die großen Streaming-Konzerne für sich, was Millionen von Nutzern längst wissen. Vertikales Video, schnell konsumierbar und süchtig machend, ist die Zukunft des Entertainment.
Disney+ startet Verts
Disney+ hat diese Woche in den USA eine neue Funktion namens „Verts“ ausgerollt. Das Feature ermöglicht Nutzern auf der mobilen Version der App, durch einen kontinuierlichen Feed mit Szenen aus Disney-Serien und -Filmen zu wischen. Wer interessiert ist, kann direkt in eine Serie oder einen Film springen oder die Inhalte auf die Watchlist setzen. Die Empfehlungen werden durch Disneys neu entwickelten Algorithmus gesteuert.
Dies ist nicht Disneys erstes Experiment mit vertikalen Videos. Im August startete das Unternehmen ähnliche Tests auf ESPN, wo das Feature laut Disney die Nutzerbindung deutlich erhöht hat. Bereits im Januar hatte Disney das Format auf der Global Tech & Data Showcase 2026 erstmals präsentiert. Der Start von Verts in dieser Woche markiert nun den offiziellen Rollout in den USA. Ein klares Signal, dass Disney das Format ernst nimmt.
Netflix und Peacock setzen auf Verticals
Disney ist nicht allein mit dieser Strategie. Netflix führte bereits im März 2025 einen vertikalen Video-Feed auf der mobilen Startseite ein. Peacock betreibt intensive Experimente mit dem Format und hat damit großen Erfolg bei der Steigerung der Gesamtnutzung gehabt. Auch der Streaming-Dienst Fox One, der im August 2025 startete, setzte sofort auf einen integrierten vertikalen Video-Feed.
Fox als Konzern ist bei diesem Trend besonders aggressiv unterwegs. Der Medienriese investierte im Oktober 2025 in Holywater, das Unternehmen hinter der Mikrodrama-Plattform MyDrama. Damit sichert sich Fox direkte Zugriff auf Expertise und Content im vertikalen Format. Ein klassischer Schachzug, um nicht vollständig von spezialisierten Anbietern abhängig zu werden.
Kampf um die Aufmerksamkeit
Dieser Rückzug der Großen ins vertikale Format ist letztlich eine Reaktion auf eine unstoppbare Entwicklung. Während TikTok, Instagram Reels, YouTube Shorts und spezialisierte Mikrodrama-Apps wie ReelShort, DramaBox, PineDrama und DramaWave Millionen von Nutzern täglich an sich binden, kämpfen traditionelle Streaming-Services um Aufmerksamkeit. Das Vertikalformat ist schneller, süchtiger und besser für Mobile-First-Nutzer geeignet als die klassischen horizontalen Formate.
Den Streaming-Giganten wird immer klarer, wer Verticals nicht anbietet, verliert an Engagement. Daher versuchen sie, ihre riesigen Content-Bibliotheken in dieses neue Format zu integrieren. Zwar nutzen sie derzeit noch Clips aus bestehenden Serien und Filmen, doch alle großen Player – Disney, Netflix, Peacock, Fox – haben bereits signalisiert, dass sie künftig auch original vertikale Inhalte produzieren werden.
Damit beginnt eine neue Phase des Konkurrenzkampfs. Die Frage ist nicht mehr, ob Verticals wichtig sind, sondern wer am besten mit ihnen umgehen wird. Für spezialisierte Mikrodrama-Plattformen bedeutet dies eine neue Herausforderung. Sie konkurrieren nun nicht nur untereinander, sondern mit den Ressourcen der Streaming-Supermächte.