High-School-Romanze Framebook: Der erste vertikale Boys Love-Hit?

Collage aus Boys Love Serien aus Thailand
Collage aus Boys Love Serien aus Thailand
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Die taiwanesische LGBTQ+-Streamingplattform GagaOOLala erweitert ihr Programm um vertikale Kurzserien. Als eines der ersten Beispiele läuft der thailändische BL-Titel Framebook, eine High-School-Romanze mit den Nachwuchsdarstellern Sun Phapangkorn und Prem Vudhipat, auf der Plattform.

Die in Taiwan ansässige LGBTQ+-Streamingplattform GagaOOLala öffnet sich für das Mikrodrama-Format. Gründer Jay Lin kündigte an, rund 20 vertikale Kurzserien ins Programm aufzunehmen. Einer der ersten Titel ist die thailändische Boys Love-Serie Framebook, die mit den Newcomern Sun Phapangkorn und Prem Vudhipat besetzt ist und im Hochformat erzählt wird.

Framebook (auch als Flame Book vermarktet) ist eine High-School-Romanze rund um den Musterschüler Book und den Außenseiter Frame, die über eine Dating-App zusammenfinden, ohne zu ahnen, dass sie aus derselben Klasse stammen. Produziert wurde die Serie vom thailändischen Studio ABC Doremi, basierend auf dem Kurzroman Make It Right FrameBook LoveStory der Autorin Badboyz. Die Serie erschien zunächst ab dem 23. August 2025 auf der thailändischen Lese- und Video-App Thunwalai, bevor GagaOOLala sie international aufgriff.

Warum GagaOOLala auf Vertikalformate setzt

GagaOOLala startete 2016 in Taiwan und expandierte dann ab 2020 global. Für den Einstieg ins Vertical Video-Geschäft sprechen laut Lin vor allem wirtschaftliche Gründe. Die Akquisekosten für vertikale Serien seien „deutlich geringer als für reguläre BL-Serien“, sagte er gegenüber dem Branchenmagazin ContentAsia. Bisher habe man rund zwölf vertikale Serien aus Thailand, Taiwan und Japan eingekauft, zum Start sollen es etwa zwanzig Titel werden. Parallel führt die Plattform in ausgewählten Märkten ein Wallet- und Sachet-Pricing-Modell ein, das sich stärker am Coins-System klassischer Mikrodrama-Apps orientiert.

Für Lin passt das Format in eine bestehende Strategie. Er verweist auf die Initiative Pump Up The Volume, aus der zuvor längere Produktionen wie Papa and Daddy und Fragrance of the First Flower hervorgingen. Vertikale Serien seien ein „gutes Testfeld“ für Stoffe, die später in längere Formate oder begleitende Offline-Angebote überführt werden können. Das grundsätzliche werbefinanzierte Modell wolle GagaOOLala aber nicht aufgeben.

Thailand als Produktionsquelle

Dass ausgerechnet eine thailändische Boys-Love-Produktion zu den ersten Vertikaltiteln gehört, ist kein Zufall. Thailand baut seine Rolle als Produktionsstandort für Kurzformate gezielt aus, wie die Mikrodrama-Offensive der thailändischen Regierung zeigt. Gleichzeitig versuchen lokale Plattformen, sich inhaltlich von chinesischen Standardmustern abzugrenzen, etwa über die Einbindung buddhistischer Werte in moderne Stoffe.

GagaOOLala profitiert zusätzlich von der stabilen internationalen Fangemeinde thailändischer BL-Serien. Nach eigenen Angaben der Plattform stieg die Zahl gelisteter BL-Titel in Asien nach Auswertung von MyDramaList-Daten zwischen 2015 und 2024 von 54 auf 229, während GL-Produktionen von 15 auf 113 wuchsen. Diese Daten nennt die Plattform in einer Analyse zum weltweiten Pink-Economy-Markt.

Einordnung für ein Nischenpublikum

Der Schritt von GagaOOLala ist wirtschaftlich nachvollziehbar, aber er unterscheidet sich deutlich vom Vorgehen der großen Mikrodrama-Plattformen. Anbieter wie ReelShort oder DramaBox setzen auf massenkompatible Heterosexuellen-Romanzen mit hohem User-Acquisition-Druck und aggressivem Freemium-Modell. GagaOOLala bedient dagegen ein klar definiertes Nischenpublikum und testet Vertikalformate bewusst im kleinen Rahmen. Ob sich 20 kurz getaktete BL- und GL-Titel tatsächlich zu stabiler Abonnentenbindung entwickeln, wird davon abhängen, wie gut die Plattform die Sehgewohnheiten ihrer bestehenden Community mit dem schnellen Rhythmus vertikaler Episoden verbindet.

Für deutschsprachige Zuschauer bleibt die Verfügbarkeit vorerst offen. GagaOOLala ist zwar international abrufbar, der konkrete Vertikalstart-Termin war zum Redaktionsschluss nicht kommuniziert. Klar ist hingegen, dass das LGBTQ+-Segment jetzt ebenfalls Teil der Mikrodrama-Debatte ist, die bisher von chinesischen und US-amerikanischen Genre-Stoffen dominiert wurde.