Top-Gun-Produzent will das „HBO für TikTok” bauen

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Hollywood-Produzent Tommy Harper hat sein Pitch Deck für die Mikrodrama-App „VeYou” vorgestellt. Die Plattform soll als eine Art „HBO” für vertikale Kurzserien positioniert werden. Erste Eigenproduktion ist die Action-Romanze „Love Under Fire”.

Tommy Harper, bekannter Produzent aus Filmen wir „Top Gun Maverick“ und „Mission Impossible“ sowie von der Netflix-Serie „Wednesday“ will mit seiner neuen App „VeYou“ den Mikrodrama-Markt von der Qualitätsseite aufrollen. Der langjährige Hollywood-Produzent hat sein Pitch Deck exklusiv mit Business Insider geteilt und positioniert VeYou als Plattform, die Vertical Video-Serien auf ein höheres erzählerisches Niveau heben soll.

Harpers Anspruch ist dabei nicht bescheiden. „Wir wollen im Grunde HBO sein, gemischt mit TikTok“, erklärte er bereits beim Strictly Business Panel auf der SXSW 2026. Die erste Eigenproduktion der Plattform trägt den Titel Love Under Fire, eine Action-Romanze mit Vertikaldrama-Darstellerin Kasey Esser („Love in the Shadows“ 2025), der die Serie auch mitgeschrieben hat.

Hollywood-Erfahrung trifft Smartphone-Format

Harpers Filmografie liest sich wie ein Blockbuster-Katalog. Er war an „Star Wars - Das Erwachen der Macht“, „Mission Impossible - Fallout“, „Star Trek Beyond“ und zuletzt Tim Burtons „Beetlejuice Beetlejuice“ beteiligt. Dass ein Produzent mit dieser Vita auf Serien für das Hochformat setzt, sagt etwas über die Anziehungskraft des Mikrodrama-Marktes.

Neben „VeYou“ betreibt Harper die Produktionsfirma Tiny Verticals, die bereits einen Katalog von rund 50 Originaltiteln entwickelt hat. Ein geplanter Deal mit dem US-Bundesstaat Louisiana sieht vor, dass in den nächsten drei Jahren 72 Serien in den Celtic Studios in Baton Rouge gedreht werden. Die Produktionskosten pro Serie liegen laut dem Baton Rouge Business Report bei 100.000 bis 150.000 Dollar.

Talent jenseits der Branchenstrukturen

Bei der Suche nach Regisseuren und Autoren geht Harper bewusst andere Wege als in der traditionellen Filmindustrie. „Ein paar meiner Regisseure habe ich auf YouTube gefunden. Ich sehe mir ihre Kurzfilme an, schreibe ihnen auf Instagram eine DM, und zwei Wochen später drehen sie für uns“, sagte er auf der SXSW in Austin. Dieser Ansatz spiegelt eine Strategie wider, die mehrere Mikrodrama-Produzenten verfolgen. Statt auf teure, etablierte Talente zu setzen, suchen sie kreative Köpfe in der Creator-Szene.

Mit dem Pitch Deck für „VeYou“ wendet sich Harper nun an Investoren. „Wir werden die Qualität und das Erzählerische auf ein höheres Niveau bringen“, erklärte er gegenüber Business Insider. Die Positionierung als Premium-Angebot soll „VeYou“ von der Konkurrenz abheben, die bislang vor allem auf schnelle, günstig produzierte Inhalte setzt.

Zwischen Qualitätsanspruch und Marktrealität

Harpers Vision klingt überzeugend, wirft aber Fragen auf. Der Mikrodrama-Markt wird derzeit von chinesisch finanzierten Plattformen wie ReelShort und DramaBox dominiert, die ihre Inhalte zu Produktionskosten herstellen, bei denen ein einzelnes Hollywood-Drehbuch mehr kostet. Ob ein Premium-Ansatz mit höheren Budgets im Wettbewerb mit diesen Anbietern bestehen kann, ist offen.

Die Frage nach dem Geschäftsmodell bleibt ebenfalls unbeantwortet. Nutzen „VeYou“-Zuschauer ein Münzsystem genannt wie bei den meisten Mikrodrama-Apps? Oder setzt Harper auf Abonnements, Werbefinanzierung oder eine Kombination? Das Pitch Deck dürfte diese Details enthalten, doch öffentlich bekannt sind sie noch nicht.

Klar ist, dass Harper nicht der einzige Hollywood-Veteran ist, der das Format ernst nimmt. Auch J.D. Payne, Autor von Age of Adaline, hat mit „Super Punchy Studios“ ein eigenes Mikrodrama-Unternehmen gegründet. Und Banijay, einer der größten TV-Konzerne der Welt, treibt seinen Mikrodrama-Rollout über mehrere Länder voran. Ob „VeYou“ in diesem wachsenden Feld den erhofften Qualitätsvorsprung tatsächlich erreicht, wird sich zeigen, wenn die ersten Serien der Plattform verfügbar sind.